Das Fairtrade-Siegel kennen fast alle vom Kaffee oder von Bananen, aber kaum jemand weiß, wer dahintersteht. Das Fairtrade-System gehört zur Hälfte den Produzent:innen, und es trennt diejenigen, die die Regeln schreiben, von denen, die sie kontrollieren. Deshalb gibt das Siegel auf einem Goldring dieselben Garantien wie auf einer Packung Kaffee – plus physische Rückverfolgbarkeit bis zur Mine.
Das Wichtigste in Kürze
- Fairtrade ist ein Zertifizierungssystem, kein Händler. Fairtrade International setzt die Standards, FLOCERT kontrolliert sie, und nationale Fairtrade-Organisationen vergeben die Lizenz für das Fairtrade-Siegel an Unternehmen.
- Die Produzent:innen sind Miteigentümer von Fairtrade. Die drei regionalen Produzentennetzwerke halten 50 % der Stimmen in der Mitgliederversammlung von Fairtrade International, und die Hälfte des Standards Committee vertritt Produzent:innen.
- Fairtrade Standards decken jedes Glied der Lieferkette ab. Eigene Standards gelten für Kleinbauernorganisationen, Plantagen, Händler und Goldminen. Sie verbinden verbindliche Kernanforderungen mit Verbesserungen, die nach und nach folgen müssen.
- Mindestpreis und Prämie sind der wirtschaftliche Kern. Bei Gold erhält die Mine mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises plus eine Fairtrade Prämie von 2.000 US-Dollar pro Kilogramm, und die Bergleute entscheiden gemeinsam, wofür sie das Geld einsetzen.
- Das Fairtrade-Gold-Siegel steht für physische Rückverfolgbarkeit. Fairtrade-Kakao oder -Zucker darf per Mengenausgleich bezogen werden, Gold mit dem Fairtrade-Gold-Siegel nicht: Das gesamte Gold im Stück ist zertifiziert und von der Mine bis zum Produkt rückverfolgbar.
Inhaltsverzeichnis
- Fairtrade auf einen Blick
- Was ist Fairtrade?
- Von Max Havelaar zu Fairtrade Gold
- Wer steuert das Fairtrade-System?
- Wie Fairtrade Standards funktionieren
- Mindestpreis und Prämie
- Wie die Fairtrade-Zertifizierung funktioniert
- Das Fairtrade-Siegel und seine Varianten
- Fairever im Fairtrade-System
- FAQs: Das Fairtrade-System erklärt
- Das Wichtigste zum Mitnehmen
- Quellen
Fairtrade auf einen Blick
| Was es ist | Internationales Zertifizierungs- und Siegelsystem für fairen Handel |
| Dachorganisation | Fairtrade Labelling Organizations International e.V. (Fairtrade International), Bonn1 |
| Gegründet | 1997; das erste Siegel für fairen Handel, Max Havelaar, stammt von 198823 |
| Eigentum | 50 % der Stimmen bei drei regionalen Produzentennetzwerken, 50 % bei nationalen Fairtrade-Organisationen1 |
| Zertifizierungsstelle | FLOCERT GmbH, Bonn, gegründet 20034 |
| Produzent:innen (2024) | Rund 2 Millionen Bäuerinnen, Bauern und Beschäftigte in rund 1.800 Produzentenorganisationen in 68 Ländern5 |
| Produkte | Mehr als 37.000 Produkte mit dem Fairtrade-Siegel5 |
| Fairtrade Prämie 2024 | Mehr als 201 Millionen Euro5 |
| Gold | Zertifiziert seit 2011; 1.284 kg Fairtrade Gold verkauft im Jahr 20246 |
| Website | fairtrade.net |
Was ist Fairtrade?
Fairtrade ist ein internationales Zertifizierungs- und Siegelsystem, das faire Handelsbedingungen für Produzent:innen und Beschäftigte festlegt, vor allem im Globalen Süden. Produkte, die seine Standards erfüllen, dürfen das Fairtrade-Siegel tragen. Hinter dem System steht Fairtrade International, ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn.2
Fairtrade und fairer Handel sind nicht dasselbe. „Fairer Handel" (englisch Fair Trade) meint die breite Bewegung, mit gesiegelten und ungesiegelten Waren. „Fairtrade", in einem Wort geschrieben, bezeichnet das Zertifizierungs- und Siegelsystem, das Fairtrade International steuert.7 Beide teilen die Definition der Internationalen Charta des Fairen Handels:
„Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt."8
In der Praxis arbeitet das Fairtrade-System mit drei Werkzeugen: Standards, die fairen Anbau, Abbau und Handel definieren, einer Zertifizierung, die sie kontrolliert, und einem Siegel, das Käufer:innen zeigt, dass die Regeln eingehalten wurden. Diese Logik gilt für eine Banane aus Ecuador genauso wie für ein Gramm Gold aus den peruanischen Anden. Ob das System sein Versprechen einlöst, ist eine eigene Frage, der wir in Ist Fairtrade wirklich fair? nachgehen.
Von Max Havelaar zu Fairtrade Gold
Fairtrade begann 1988 mit einem Kaffeesiegel in den Niederlanden. Nach dem Einbruch der Weltmarktpreise für Kaffee in den 1980er-Jahren kämpften Kleinbäuerinnen und -bauern in Mexiko ums Überleben.9 Der niederländische Priester Frans van der Hoff, der mit der Kaffeekooperative UCIRI arbeitete, und Nico Roozen von der niederländischen Organisation Solidaridad brachten 1988 Max Havelaar auf den Weg – das erste Siegel für fairen Handel.3 Kurz darauf stand der erste Max-Havelaar-Kaffee aus Mexiko in niederländischen Supermärkten.9
Die Idee verbreitete sich schnell. 1992 nahm TransFair in Deutschland als Ein-Mann-Betrieb die Arbeit auf; heute heißt die Organisation Fairtrade Deutschland.10 Im selben Jahr entstanden die Fairtrade Foundation in Großbritannien9 und Max Havelaar in der Schweiz, wo die Idee aus der Kampagne „Sauberer Kaffee" von sechs großen Schweizer Hilfswerken hervorging.11 1993 folgte FAIRTRADE Österreich.12
1997 schlossen sich die nationalen Initiativen unter einem Dach zusammen: Fairtrade Labelling Organizations International, heute Fairtrade International.2 2002 kam das internationale Fairtrade-Siegel auf den Markt, mit blauem Himmel, grünem Wachstum und einer Figur, die einen Arm hebt.9 2003 trennte Fairtrade die Standardsetzung von der Zertifizierung und gründete FLOCERT als eigenes Unternehmen.4
2011 kam Gold dazu. Gemeinsam mit der Alliance for Responsible Mining (ARM) hatte Fairtrade International einen gemeinsamen Fairtrade & Fairmined Standard entwickelt, den ARM als erste unabhängige Drittzertifizierung für Gold überhaupt bezeichnete.^13] Am Valentinstag 2011 kam in Großbritannien das erste zertifizierte Gold in den Verkauf, abgebaut von der Kooperative Cotapata in Bolivien.14 2013 beendeten die Partner ihre formelle Partnerschaft und führten zwei getrennte Systeme weiter.15 Mehr zum Partner: [die Alliance for Responsible Mining (ARM). In Deutschland gibt es Fairtrade Gold seit 2015,16 mit Fairever als erstem Fairtrade-zertifiziertem Edelmetall-Anbieter.17
Wer steuert das Fairtrade-System?
Das Fairtrade-System ruht auf drei Säulen: Fairtrade International, drei regionalen Produzentennetzwerken und den nationalen Fairtrade-Organisationen. FLOCERT, die Zertifizierungsstelle, ist ein eigenständiges Unternehmen. Fairtrade International beschreibt das Ganze als gemeinnützigen Multi-Stakeholder-Verband.2
Fairtrade International
Fairtrade International ist die Dachorganisation und Eigentümerin des Fairtrade-Siegels. Rechtlich ist sie die Fairtrade Labelling Organizations International e.V., ein gemeinnütziger Verein nach deutschem Recht mit Sitz in Bonn.1 In der Bonner Zentrale arbeiten rund 90 Menschen. Fairtrade International entwickelt die Fairtrade Standards, hält die Rechte am Siegel und unterstützt die Produzent:innen.2
Die Mitglieder bilden zwei gleich starke Gruppen: die Produzentennetzwerke und die nationalen Fairtrade-Organisationen. Laut Satzung hält jede Gruppe 50 % der Stimmen, unabhängig davon, wie viele Mitglieder oder Delegierte sie hat.1 Die Mitgliederversammlung tagt einmal im Jahr, beschließt den Jahresabschluss und bestätigt neue Mitglieder des Aufsichtsrats.18 Fairtrade bezeichnet sich selbst als einzigen globalen Nachhaltigkeitsstandard, in dem Bäuerinnen, Bauern und Beschäftigte auf allen Ebenen der Steuerung vertreten sind.19
Produzentennetzwerke
Die drei Produzentennetzwerke geben Bäuerinnen, Bauern, Beschäftigten und Bergleuten ihre Stimme im Fairtrade-System. Fairtrade Africa ist für Afrika und den Nahen Osten zuständig, CLAC für Lateinamerika und die Karibik, NAPP für Asien und den Pazifikraum.20 Es sind regionale Verbände, denen zertifizierte Produzentenorganisationen beitreten können. Sie vertreten Kleinproduzent:innen, Beschäftigte und weitere Akteure auf Produzentenseite.20 Fairtrade-zertifizierte Goldminen in Peru etwa liegen im Gebiet von CLAC.
Nationale Fairtrade-Organisationen
Nationale Fairtrade-Organisationen bringen Fairtrade in den Markt der Konsumländer. Sie vergeben Lizenzen für das Siegel, geben Produkte und Designs frei und verankern den fairen Handel bei Verbraucher:innen, im Handel, in der Industrie und in der Politik. Weltweit gibt es 25 nationale Fairtrade-Organisationen und Marketing-Organisationen.21 In unseren Kernmärkten sind das:
- Deutschland: Fairtrade Deutschland e.V. in Köln, 1992 als TransFair gegründet und von mehr als 30 Mitgliedsorganisationen getragen, mit fast 100 Menschen in der Zentrale.10
- Österreich: FAIRTRADE Österreich in Wien, ein gemeinnütziger Verein, gegründet 1993, der in Österreich das Fairtrade-Siegel vergibt.12
- Schweiz: Fairtrade Max Havelaar, eine 1992 gegründete Stiftung. Mit Unterstützung von Coop und Migros kamen schon im selben Jahr die ersten Fairtrade-Kaffees in die Schweizer Läden.11
- Großbritannien: Die Fairtrade Foundation, 1992 von sechs Organisationen gegründet, darunter CAFOD, Christian Aid und Oxfam. Sie vergibt im Vereinigten Königreich die Lizenzen für das Fairtrade-Siegel.922
Wie Fairtrade Standards funktionieren
Fairtrade Standards legen fest, was fairer Anbau, Abbau und Handel in der Praxis bedeuten. Sie enthalten soziale, ökologische und wirtschaftliche Anforderungen an die Produzent:innen sowie Regeln für Händler, bis hin zu den Preisen, die sie zahlen.23 Für Goldminen reicht das von Schutzausrüstung, die der Arbeitgeber bezahlt, bis zur Regel, dass alluvialer Abbau weder Flussbetten noch Uferböschungen zerstören darf.24
Arten von Fairtrade Standards
Das Fairtrade-System hat Standards für jede Art von Produzent:innen und für alle, die dazwischen handeln:25
- Kleinbauernorganisationen (Small-scale Producer Organizations): für Kooperativen und Verbände von Bäuerinnen und Bauern.
- Lohnarbeit (Hired Labour): für große Farmen und Plantagen mit angestellten Arbeitskräften.
- Vertragsanbau (Contract Production): übergangsweise für Kleinproduzent:innen, die noch nicht demokratisch organisiert sind.
- Händler (Trader Standard): für Unternehmen, die Fairtrade-Produkte kaufen und verkaufen und mit Fairtrade Mindestpreis und Prämie umgehen.
- Gold und begleitende Edelmetalle (Gold and Associated Precious Metals): für Organisationen im Kleinbergbau und für Händler, die Edelmetalle kaufen und verkaufen.
- Textil und Klima: für Textilbetriebe, die Fairtrade-Baumwolle verarbeiten, und für landwirtschaftliche Gemeinschaften, die Fairtrade-Klimazertifikate erzeugen.
Bei Gold gilt der Trader Standard zusätzlich zum Gold Standard. Wo sich beide unterscheiden, hat der Gold Standard Vorrang.24
Kern- und Entwicklungsanforderungen
Fairtrade erwartet keine Perfektion vom ersten Tag an. Der Gold Standard unterscheidet Kernanforderungen, die erfüllt sein müssen, von Entwicklungsanforderungen, die kontinuierliche Verbesserung beschreiben und über ein Punktesystem gemessen werden. Damit ist die Fairtrade-Zertifizierung eher ein Prozess als eine einmalige Prüfung. Jede Anforderung trägt eine Zahl – 0, 1, 3 oder 6 –, die angibt, nach wie vielen Jahren sie erstmals auditiert wird.24 Eine Bergbau-Organisation kann also mit den Grundlagen beginnen und Audit für Audit in den vollen Standard hineinwachsen.
Wie Fairtrade Standards entstehen
Fairtrade International erarbeitet die Fairtrade Standards im Dialog mit Bäuerinnen, Bauern, Beschäftigten, Unternehmen und externen Fachleuten. Die letzte Entscheidung trifft das Standards Committee, und die Hälfte seiner Mitglieder vertritt Produzent:innen.26 Fairtrade folgt dabei dem ISEAL Code of Good Practice für die Standardsetzung. Genauso wichtig: Fairtrade International setzt die Standards, Zertifizierung und Audits übernimmt aber eine unabhängige Stelle.26
Ein neuer Fairtrade Gold Standard für 2027
Im Juni 2026 hat Fairtrade einen überarbeiteten Gold Standard veröffentlicht. Version 2.0 gilt ab dem 1. Juli 2027; bis dahin bleibt Version 1.2 von 2013 gültig.^27] Die Revision nimmt neben Bergbau-Organisationen auch Familien- und Einzelbetriebe in den Geltungsbereich auf. Sie stellt Rückverfolgbarkeit und Segregation – einschließlich Wiederaufbereitung – von der Mine bis zum Markt in den Mittelpunkt und stärkt den Arbeitsschutz: Die Organisationen müssen Präventionsmaßnahmen auf Basis einer Risiko- und Gefährdungsanalyse nachweisen. Außerdem legt sie besonderes Gewicht auf den Ausstieg aus Quecksilber, verlangt einen detaillierteren Managementplan für Wasser, Abfall, Minenschließung und Renaturierung und stärkt demokratische Prinzipien bei der Verwaltung der Prämie.28 Die Regeln im Detail: [der Fairtrade Gold Standard.
Mindestpreis und Prämie
Zwei Zahlungen unterscheiden Fairtrade vom konventionellen Handel: der Fairtrade Mindestpreis und die Fairtrade Prämie. Der Mindestpreis soll die durchschnittlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion decken und wirkt als Sicherheitsnetz, wenn die Marktpreise fallen. Liegt der Marktpreis höher, erhalten die Produzent:innen den Marktpreis.7
Die Fairtrade Prämie ist ein zusätzlicher Betrag, der auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wird. Bäuerinnen, Bauern und Beschäftigte investieren ihn in Projekte ihrer Wahl und entscheiden gemeinsam über die Verwendung.7 2024 erhielten Produzent:innen mehr als 201 Millionen Euro Fairtrade Prämie, in den vergangenen zehn Jahren 1,5 Milliarden Euro.5
Gold folgt derselben Logik, angepasst an ein Metall mit Weltmarktpreis. Die Mine erhält mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises für den Feingoldgehalt, ab Export-Flughafen, plus eine Fairtrade Prämie von 2.000 US-Dollar pro Kilogramm.24 In der Mine entscheidet ein Fairtrade-Prämienkomitee aus gewählten Vertreter:innen über die Verwendung; es muss die Bergleute nach Zahl und Geschlecht abbilden. Die Generalversammlung der Bergbau-Organisation stimmt jeder Entscheidung über die Prämie zu.24
Was heißt das für einen einzelnen Ring? Ein Ehering mit 8 Gramm in 18-karätigem Gold enthält 6 Gramm Feingold. Aus Fairtrade Gold gefertigt, bringt er der Mine 12 US-Dollar Fairtrade Prämie.29
Wie die Fairtrade-Zertifizierung funktioniert
FLOCERT ist die Zertifizierungsstelle des Fairtrade-Systems. Sie prüft, ob die Fairtrade Standards eingehalten werden – in der Mine oder auf der Farm und bei jedem Unternehmen, das mit Fairtrade-Produkten handelt oder sie verarbeitet. FLOCERT wurde 2003 in Bonn gegründet, weil die Standardsetzung bei Fairtrade von der Prüfung der Produzent:innen getrennt werden sollte. Heute ist FLOCERT eine eigenständig geführte Tochter von Fairtrade International, die zugleich einzige Gesellschafterin ist.4
FLOCERT betreut mehr als 6.000 Kunden in rund 120 Ländern, mit rund 150 Mitarbeitenden und mehr als 120 Auditor:innen.4 Die Zertifizierung läuft in drei Schritten: Antrag, Audit vor Ort und Zertifizierungsentscheidung. Die Auditor:innen gleichen Dokumente ab, besichtigen die Betriebsstätten und führen vertrauliche Gespräche mit Beschäftigten und Mitgliedern. Bei Produzent:innen geht es vor allem um Transparenz und demokratische Entscheidungen, Arbeitsbedingungen, Umweltbedingungen und Rückverfolgbarkeit. Bei Händlern geht es um Verträge, Zahlungsbedingungen, Beschaffungspläne, Vorfinanzierung sowie Fairtrade Mindestpreis und Prämie.30
Die Fairtrade-Zertifizierung ist keine einmalige Sache. Mit dem Zertifikat beginnt ein Zertifizierungszyklus von drei Jahren für Produzent:innen und fünf Jahren für Händler. Während des Zyklus auditiert FLOCERT regelmäßig und kann auch unangekündigte Audits durchführen; am Ende steht ein Rezertifizierungsaudit.30
Fairtrade-Zertifizierung oder Lizenz?
Unternehmen, die mit Fairtrade-Produkten umgehen, brauchen ein Zertifikat; Marken, die fertige Produkte mit dem Siegel verkaufen, brauchen eine Lizenz. Fairtrade formuliert es klar: Wer produziert, handelt, importiert, exportiert oder verarbeitet, muss sich zertifizieren lassen. Marken, die fertige Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verkaufen wollen, müssen sich als Lizenznehmer bewerben und dürfen nur bei Fairtrade-zertifizierten Betrieben einkaufen.31
In Deutschland wird der Lizenzvertrag mit Fairtrade Deutschland geschlossen, das Produkt und Design freigeben muss, bevor das Siegel verwendet wird. FLOCERT zertifiziert die Lieferkette bis zu dem Punkt, an dem die Produkte für Verbraucher:innen fertig verpackt sind. Für das Produktsiegel verlangt Fairtrade Deutschland eine einmalige Antragsgebühr von 160,50 Euro und eine Mindestgebühr von 250 Euro ab dem zweiten Vertragsjahr; die Lizenzgebühr selbst wird „vierteljährlich nach der Menge der verkauften Produkte" berechnet.32
Das Fairtrade-Siegel und seine Varianten
Das Fairtrade-Siegel ist ein eingetragenes Zertifizierungszeichen, das Fairtrade International gehört.23 Es gibt verschiedene Varianten, jede mit genau festgelegter Bedeutung:33
- Fairtrade-Siegel: Alle Zutaten erfüllen die Fairtrade Standards und sind vollständig rückverfolgbar, vom Feld bis ins Regal getrennt von nicht-zertifizierter Ware – typisch für Kaffee, Reis oder Bananen.
- Fairtrade-Siegel mit Pfeil: Für Produkte aus mehreren Zutaten, etwa Kekse. Alle Zutaten, die es unter Fairtrade-Bedingungen gibt, sind zertifiziert, insgesamt mindestens 20 % Fairtrade-Anteil. Das Siegel steht auch auf Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee, die per Mengenausgleich bezogen wurden.
- Fairtrade-Rohstoff-Siegel (Fairtrade Sourced Ingredient): Ein weißes Siegel, das zeigt, dass eine bestimmte, benannte Zutat – etwa der Kakao in einem Frühstücksmüsli – als Fairtrade bezogen wurde.
- Fairtrade-Baumwoll- und -Textil-Siegel: Für rückverfolgbare Fairtrade-Baumwolle und für Textilien, die nach dem Fairtrade Textile Standard hergestellt wurden.
- Fairtrade-Gold-Siegel: Es steht für den fairen Abbau und Handel des gesamten Goldes in einem Schmuckstück sowie für die physische Rückverfolgbarkeit des Goldes entlang der gesamten Lieferkette. Entsprechende Siegel gibt es für Silber und Platin.34
Bei Gold gibt es keine Abkürzungen. Mengenausgleich ist nur für Kakao, Zucker, Fruchtsäfte und Tee erlaubt, mit einer Sonderregel für Baumwolle nach dem Entkörnen, und Fairtrade Gold gehört nicht zum Rohstoff-Modell.^35] Auf Schmuck ist ein Fairtrade-Stempel neben der Feingehaltspunze Pflicht. Je nach Land bringt ihn das amtliche Punzierungsamt an oder eine von der nationalen Fairtrade-Organisation zugelassene Stelle.34 Was Schmuckmarken darüber sagen dürfen: [Fairtrade Gold Produkt-Claims.
Fairever im Fairtrade-System
Fairever ist seit 2015 Teil des Fairtrade-Systems. Im selben Jahr als TRAID GOLD gegründet, wurden wir der erste Fairtrade-zertifizierte Edelmetall-Anbieter in Deutschland. Im Herbst 2015 brachten wir die weltweit ersten zertifizierten Fairtrade Goldbarren auf den Markt.^17] Die ganze Geschichte: [Warum es Fairever gibt.
Wir haben beide Rollen im Fairtrade-System, die oben beschrieben sind: Fairtrade-Zertifizierung und Lizenz. FLOCERT zertifiziert uns unter unserer FLO-ID 33345, und wir sind Lizenznehmer von Fairtrade Deutschland.^36]17 Unser Fairtrade Gold kaufen wir direkt bei der Bergbau-Organisation [CECOMSAP (FLO-ID 38864) in Ananea, in der peruanischen Region Puno. Unser strategischer Partner, die Betts Group, raffiniert es, und das Gold bleibt von nicht-zertifiziertem Gold getrennt.17
Das Gold geht in Halbzeuge für Schmuckschaffende und in Fairtrade Goldbarren zu 1 Feinunze und 100 Gramm. Auf jedem Etikett nennen wir die Mine und ihre FLO-ID. Und wir zahlen der Mine 96–99 % des LBMA-Goldpreises statt der 95 %, die der Standard verlangt – zusätzlich zur Fairtrade Prämie.1724
FAQs: Das Fairtrade-System erklärt
Was ist Fairtrade?
Fairtrade ist ein internationales Zertifizierungs- und Siegelsystem für fairen Handel. Produkte, die die Fairtrade Standards erfüllen, dürfen das Fairtrade-Siegel tragen. Gesteuert wird das System von Fairtrade International, einem gemeinnützigen Verein mit Sitz in Bonn, gegründet 1997.
Wem gehört Fairtrade?
Fairtrade International gehört seinen Mitgliedern: drei regionalen Produzentennetzwerken und den nationalen Fairtrade-Organisationen. Jede Gruppe hält 50 % der Stimmen in der Mitgliederversammlung. Bäuerinnen, Bauern, Beschäftigte und Bergleute sind also Miteigentümer des Systems.
Was ist der Unterschied zwischen Fairtrade und fairem Handel?
„Fairer Handel" ist die breite Bewegung für gerechtere Handelsbedingungen, mit gesiegelten und ungesiegelten Waren. „Fairtrade", in einem Wort geschrieben, ist das Zertifizierungs- und Siegelsystem von Fairtrade International.
Was ist FLOCERT?
FLOCERT ist die unabhängige Fairtrade-Zertifizierungsstelle, gegründet 2003 in Bonn. Sie prüft Produzent:innen, Händler und verarbeitende Unternehmen anhand der Fairtrade Standards. FLOCERT wird eigenständig geführt; einzige Gesellschafterin ist Fairtrade International.
Wie funktioniert die Fairtrade-Zertifizierung?
Ein Unternehmen stellt einen Antrag bei FLOCERT, wird vor Ort auditiert und erhält eine Zertifizierungsentscheidung. Mit dem Zertifikat beginnt ein Zyklus von drei Jahren für Produzent:innen und fünf Jahren für Händler, mit regelmäßigen Audits, möglichen unangekündigten Audits und einem Rezertifizierungsaudit am Ende.
Was ist der Unterschied zwischen Fairtrade-Zertifizierung und Fairtrade-Lizenz?
Produzent:innen, Händler, Importeure, Exporteure und verarbeitende Unternehmen brauchen ein FLOCERT-Zertifikat. Marken, die fertige Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verkaufen, brauchen eine Lizenz, die sie mit ihrer nationalen Fairtrade-Organisation abschließen, in Deutschland mit Fairtrade Deutschland.
Was bedeutet das Fairtrade-Siegel?
Das Fairtrade-Siegel zeigt, dass ein Produkt die Fairtrade Standards erfüllt. Das schwarze Siegel bedeutet, dass alle Zutaten, die es als Fairtrade gibt, zertifiziert sind. Varianten gibt es für Mischprodukte, einzelne Rohstoffe, Baumwolle, Textilien und Gold.
Wie hoch ist die Fairtrade Prämie für Gold?
Fairtrade-zertifizierte Minen erhalten 2.000 US-Dollar pro Kilogramm Gold zusätzlich zu einem Preis von mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises. Die Bergleute entscheiden demokratisch, wofür sie die Prämie einsetzen.
Ist Fairtrade Gold rückverfolgbar?
Ja. Gold mit dem Fairtrade-Gold-Siegel ist entlang der gesamten Lieferkette physisch rückverfolgbar und bleibt von nicht-zertifiziertem Gold getrennt. Mengenausgleich, den Fairtrade für Kakao, Zucker, Fruchtsäfte und Tee erlaubt, spielt dabei keine Rolle.
Was kostet eine Fairtrade-Lizenz in Deutschland?
Für das Produktsiegel verlangt Fairtrade Deutschland eine einmalige Antragsgebühr von 160,50 Euro und eine Mindestgebühr von 250 Euro ab dem zweiten Vertragsjahr. Die Lizenzgebühr selbst wird vierteljährlich nach der Menge der verkauften Produkte berechnet.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
In aller Kürze ...
- Im Fairtrade-System kontrolliert niemand seine eigene Arbeit. Fairtrade International schreibt die Standards, FLOCERT prüft sie, und nationale Fairtrade-Organisationen wie Fairtrade Deutschland vergeben die Lizenz für das Siegel.
- Die Produzent:innen sind Miteigentümer, nicht bloß Begünstigte. Sie halten 50 % der Stimmen in der Mitgliederversammlung von Fairtrade International und die Hälfte der Sitze im Standards Committee.
- Das Fairtrade-Gold-Siegel gibt dieselben Garantien wie das Siegel auf Kaffee – ohne Ausnahme. Das gesamte Gold im Stück ist zertifiziert und physisch bis zur Mine rückverfolgbar; Mengenausgleich spielt keine Rolle.
- Der Gold Standard wird strenger. Ab Juli 2027 stellt Version 2.0 die Rückverfolgbarkeit von der Mine bis zum Markt in den Mittelpunkt und legt besonderes Gewicht auf den Ausstieg aus Quecksilber.
- Fragt nach der Mine hinter dem Siegel. Fairtrade-zertifizierte Minen haben eine FLO-ID. Fragt euren Lieferanten, aus welcher Mine euer Gold stammt und wie ihre FLO-ID lautet.
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Jedes Gramm Fairtrade Gold stammt von einer zertifizierten Bergbau-Organisation, die die Fairtrade Prämie erhält und gemeinsam entscheidet, wofür sie sie einsetzt. Wenn ihr mit genau diesem Gold arbeiten wollt, entdeckt unser Fairtrade Gold.
Weitere Leseempfehlungen
- Die Regeln für Fairtrade-zertifizierte Minen im Detail: der Fairtrade Gold Standard.
- Was das zertifizierte Metall ausmacht: Was ist Fairtrade Gold?
- Eine Fairtrade-zertifizierte Mine auf 4.600 Metern Höhe: die CECOMSAP Goldmine, Peru.
Quellen
- Fairtrade International, Constitution of Fairtrade Labelling Organizations International e.V., Fassung vom 11. Juni 2026, §§ 1, 4 und 6. ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairtrade International, About Fairtrade International, abgerufen im September 2026. ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Solidaridad, Francisco Petrus van der Hoff Boersma (1939–2024), 22. Februar 2024. ↩ ↩
- FLOCERT, FLOCERT's history with Fairtrade, abgerufen im September 2026. ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairtrade International, Key figures at a glance, abgerufen im September 2026 (Daten für 2024). ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairtrade International, Gold, abgerufen im September 2026. ↩
- Fairtrade International, FAQ, abgerufen im September 2026. ↩ ↩ ↩
- World Fair Trade Organization und Fairtrade International, The International Fair Trade Charter, 25. September 2018. Übersetzt durch Fairever. Original: „Fair Trade is a trading partnership, based on dialogue, transparency and respect, that seeks greater equity in international trade." ↩
- Fairtrade Foundation, 25 Facts about Fairtrade, 28. August 2025. ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairtrade Deutschland, Das sind wir, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Fairtrade Max Havelaar, Über Fairtrade Schweiz, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- FAIRTRADE Österreich, Über FAIRTRADE Österreich, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairtrade and Fairmined gold standards, 17. Juni 2009.
- The Ecologist, World's first Fairtrade gold goes on sale in UK, 12. Februar 2011. ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined gold opens up to new responsible markets, 22. Mai 2013. ↩
- Fairtrade Deutschland, 10 Jahre Fairtrade-Gold: 10 Jahre Fairänderung, 2. Juni 2025. ↩
- Fairever, eigene Information. ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairtrade International, Governance and board, abgerufen im September 2026. ↩
- Fairtrade International, Key benefits, abgerufen im September 2026. ↩
- Fairtrade International, Producer networks, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Fairtrade International, Fairtrade global network, abgerufen im September 2026. ↩
- House of Commons Library, Role of Fairtrade certification in UK business and trade, 9. Dezember 2025. ↩
- Fairtrade America, Behind the Fairtrade Mark, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Fairtrade International, Fairtrade Standard for Gold and Associated Precious Metals for Artisanal and Small-Scale Mining, Version 1.2, 8. November 2013, gültig ab 16. April 2015, Einleitung und Anforderungen 3.2.31, 3.3.47, 4.1.1, 4.1.3, 4.5.1 und 4.5.3. ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairtrade International, Who we have standards for, abgerufen im September 2026. ↩
- Fairtrade International, How we set standards, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Fairtrade International, Gold and Associated Precious Metals Standard, abgerufen im September 2026.
- Fairtrade International, Announcement: Fairtrade Standard for Gold and Associated Precious Metals, 25. Juni 2026. ↩
- Eigene Berechnung: Ring mit 8 g × 750 ‰ = 6 g Feingold; 6 g × 2 US-Dollar je Gramm (2.000 US-Dollar je Kilogramm, Fußnote 24) = 12 US-Dollar. ↩
- FLOCERT, How to join Fairtrade, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Fairtrade International, Get certified, abgerufen im September 2026. ↩
- Fairtrade Deutschland, Ihr Weg zum Fairtrade-Siegel, abgerufen im September 2026. Die genannten Gebühren gelten für das Produktsiegel; für das Rohstoffsiegel fallen weder Antrags- noch Mindestgebühr an. ↩
- Fairtrade Canada, Understanding the Fairtrade labels, abgerufen im September 2026. ↩
- Fairtrade International, FAIRTRADE Gold Mark Guidelines, Ausgabe 5, 2018. ↩ ↩
- Fairtrade International, Fairtrade Sourced Ingredient Mark Guidelines, Ausgabe 5b, September 2026.
- Fairever, Broschüre Gold aber fair, Impressum.

