Warum es Fairever gibt

Mein Weg zu fairem Gold – die ganze Geschichte

In diesem Beitrag erzählt Fairever-Gründer Florian Harkort, was ihn vor knapp zwei Jahrzehnten dazu gebracht hat, sich mit fairem Gold zu beschäftigen, wie aus einer Frage in Äthiopien ein Unternehmen wurde – und was er heute, gut zehn Jahre nach Gründung, anders sieht.

Florian Harkort, Gründer von Fairever, als Entwicklungshelfer in Äthiopien 2008, mit Kindern am Wenchi-Krater
Florian Harkort, Gründer von Fairever, als Entwicklungshelfer in Äthiopien 2008, mit Kindern am Wenchi-Krater

Ein Halt am Straßenrand, der alles veränderte

Äthiopien, 2008. An einem Nachmittag, unter der gleißenden afrikanischen Sonne. Ich bin mit dem Auto unterwegs, südlich von Hawassa. Am Straßenrand entdecke ich eine Szene, die ich auf den ersten Blick nicht einordnen kann: eine Mondlandschaft aus Gruben und Erdhaufen, lärmende Diesel-Generatoren, primitive Werkzeuge, mittendrin Menschen. Ich halte und steige aus. Ich bin neugierig. Was ich sehe, sieht so rudimentär aus, dass ich kaum glauben kann, was ich gleich höre, als einer der Männer mir erklärt, was sie hier tun: Sie graben nach Gold.

Gold? Mein erster Gedanke: Aber Gold ist doch so wertvoll, so edel. Wie passt das zusammen?

Artisanaler Goldbergbau im Kwara State, Nigeria – Mondlandschaften im informellen Kleinbergbau auf Gold in Afrika

Artisanaler Goldbergbau im Kwara State, Nigeria. Ähnliche Mondlandschaften sah Florian Harkort 2008 in Äthiopien. (Foto: Gudjohnsen007, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Der Mann führt mich durch ihren Arbeitsalltag. Es ist Tagebau. Männer graben in ungesicherten Gruben. Frauen schleppen viel zu schwere Säcke. Kinder sortieren haufenweise Gestein per Hand. Ausgemergelte Körper, tief liegende Augen, rissige Hände. Er zeigt mir, wie das Material gewaschen und am Ende mit Quecksilber vermischt wird, das sie über offenem Feuer verbrennen, um das Gold freizulegen – die giftigen Dämpfe atmen sie dabei ein, ohne jeden Schutz. Er erklärt, dass dieser Goldabbau für die Familien hier nicht aus Wahl, sondern aus Notwendigkeit geschieht. Es sei ihre einzige Einnahmequelle. Mal hätten sie Glück und fänden Gold, mal nicht. Manchmal reiche das Geld nicht für Essen. Die Kinder müssten mitarbeiten – ihre Arbeitskraft werde gebraucht. Die Hoffnung auf einen großen Fund sei ständiger Begleiter.

Vielleicht 45 Minuten dauert dieser ungeplante Halt. Dann fahre ich weiter. Aber dieser kurze Aufenthalt sollte mein Leben verändern.

Ein Widerspruch, der nicht mehr losließ

In den Wochen danach geht mir dieser Halt am Straßenrand immer wieder durch den Kopf. Langsam formt sich daraus ein Bild, das mich nicht mehr loslässt – ein Widerspruch in drei Teilen.

Da sind die Menschen, die mir in Äthiopien jeden Tag begegnen: warmherzig, lächelnd, großzügig, gastfreundlich. Da ist die Realität, die ich an jenem Nachmittag gesehen habe: gefährliche Arbeit, vergiftete Körper und Böden, kein fairer Anteil am Erlös, Kinder ohne Schule. Und am anderen Ende derselben Lieferkette: glänzende Schmuckstücke und Goldbarren in reichen Ländern – Symbole von Schönheit und Wohlstand. Gold ist schön. Sein Weg dorthin aber oft brutal.

Wer ich damals war: 25 Jahre alt, gerade mit dem Studium der Agrarökonomie an der Universität Hohenheim fertig, in Äthiopien tätig für die deutsche Entwicklungsagentur GTZ (heute GIZ), in einem Programm zur Wirtschaftsförderung. Agrarökonomie hatte ich studiert, weil ich in die Entwicklungszusammenarbeit wollte. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt aus der Forst- und Landwirtschaft – und für mich war früh klar: Entwicklung, die nicht nachhaltig ist, ist keine gute Entwicklung. Schon während des Studiums hatte ich mich bei AIESEC für interkulturellen Austausch engagiert und bei EY in der Nachhaltigkeitsberatung gearbeitet.

Ich hatte mich also lange für Themen interessiert, die zwischen Globalem Süden, ökonomischer Entwicklung und Verantwortung lagen. Aber dieser Tag in Äthiopien war anders. Es war nicht mehr Theorie. Er war konkret. Und er hinterließ eine Frage, die ich nicht mehr loswurde: Wie kann ich die Menschen im Kleinbergbau unterstützen?

Die zweite Frage, ausgelöst in Deutschland

2008 war auch das Jahr der globalen Finanzkrise. Während ich in Äthiopien war, bekam ich mit, wie Familienmitglieder in Deutschland intensiv darüber diskutierten, wie sie ihre Ersparnisse schützen könnten. Auf einmal war Anlagegold ein Thema am Küchentisch. Was eigentlich eine simple Frage hätte sein sollen – Wo kauft man am besten Gold? – wurde für mich zu einer viel größeren. Denn ich hatte ja gerade gesehen, woher Gold im Zweifel kommt.

Ich fragte meine Schwester, die Goldschmiedin ist. „Sag mal, weißt du eigentlich, woher dein Gold stammt?“ Sie sagte, sie könne mal bei ihrer Scheideanstalt nachfragen. Ein paar Tage später kam die Antwort: „Sie wissen es nicht genau. Könnte von überall sein.“ Bei den vielen Händlern und Scheideanstalten, die das Material vermischen, sei das eben so. Das war die offizielle Antwort der Branche.

Für mich war das nicht akzeptabel. Es war 2008! Bei Kaffee, Schokolade, Bananen und Blumen gab es längst Fairtrade-Siegel, an denen sich Verbraucher:innen orientieren konnten. Aber bei Gold – bei dem Metall, dessen Förderung schwerste ökologische und soziale Schäden hinterlässt – wusste niemand etwas. Ich begann zu recherchieren. Damals fand ich genau ein Projekt, das ich als echte Alternative verstand: EcoAndina, ein verantwortungsvolles Kleinbergbau-Projekt in Argentinien. Meine Familie kaufte dann dort ihr Gold. Es gab also Wege. Sie waren nur kaum sichtbar.

Aus diesen beiden Fragen formte sich allmählich die Antwort, die später zum Fundament von Fairever werden sollte: Es braucht kontrolliert verantwortungsvollen Kleinbergbau – einen Bergbau, der sichere Arbeitsbedingungen schafft und der die Gemeinschaften vor Ort an der Wertschöpfung teilhaben lässt. Einen Bergbau, der nachhaltige Entwicklung ermöglicht, statt sie zu verhindern.

Sieben Jahre auf Umwegen – bis ans andere Ende der Welt

Zwischen dieser Erkenntnis und der Gründung von Fairever lagen sieben Jahre. Ich war Mitte 20, neugierig, und hatte das Gefühl, dass es zur richtigen Zeit auch die richtigen Wege geben wird.

Nach Äthiopien gründete ich mit Freunden aus dem Studium pocketvillage – eine Reise-Suchmaschine für außergewöhnliche Aktivitäten und Touren in aller Welt. Reisen, der Globale Süden, das Miteinander zwischen Kulturen: Das alles hatte mich immer schon interessiert. pocketvillage gab mir die Chance, als Gründer und Geschäftsführer zu lernen, was es heißt, ein Unternehmen aufzubauen – Erfahrungen, die mir später sehr nützen sollten.

2014 verkauften wir das Unternehmen. Kurz darauf bekamen meine Frau und ich unser erstes Kind. In unserer Elternzeit machten wir das, was sich von außen vielleicht verrückt anhörte und sich für uns absolut richtig anfühlte: Mit unserem vier Monate alten Säugling fuhren wir im VW-Bus von Berlin nach Bali. Sechs Monate durch viele Länder und Kulturen.

Der VW-Bus von Familie Harkort vor goldener Pagode in Myanmar – Zwischenstation der Weltreise von Berlin nach Bali, 2014/15
Der VW-Bus von Familie Harkort vor goldener Pagode in Myanmar – Zwischenstation der Weltreise von Berlin nach Bali, 2014/15

Die Reise bestätigte, was ich schon in Äthiopien gespürt hatte: dass dieser Planet unfassbar schön und erhaltenswert ist, und dass die allermeisten Menschen – gerade in den ärmeren Regionen der Welt – freundlich und großzügig sind. Sie alle haben ein Leben in Würde und eine Hoffnung auf ein besseres Morgen für ihre Kinder verdient.

Auf Bali angekommen, schloss sich der Kreis. Gold spielt dort eine enorme Rolle in der Kultur: in Schmuck, in Ritualen, in religiösen Zeremonien. Überall sah ich es. Und überall musste ich wieder an die Kinder in Äthiopien denken. Durch den Verkauf von pocketvillage war ich frei, etwas Neues zu starten, hatte Erfahrung im Unternehmensaufbau – und eine Idee, die seit sieben Jahren in mir reifte.

Zurück in Deutschland recherchierte ich, was sich im Markt für faires Gold getan hatte – und stieß auf einen entscheidenden Hebel: Fairtrade Gold war 2011 in Großbritannien an den Markt gegangen und stand kurz vor dem Launch in Deutschland. Es gab den Standard. Es gab das Siegel. Aber es gab in Deutschland noch keinen Edelmetallhändler, der ihn nutzte. Ich sprach mit Fairtrade Deutschland. Daraus wurde eine Partnerschaft. Und daraus wurde Fairever.

Gründung 2015: Als Außenseiter mittendrin

2015 gründete ich das Unternehmen – zunächst unter dem Namen TRAID GOLD, später umbenannt in Fairever. Ich war kein Insider der Branche, kannte weder die etablierten Wege noch die ungeschriebenen Gesetze. Aber genau das war vielleicht der entscheidende Vorteil: Ich war unbelastet von „Das machen wir schon immer so“ und auch von den bequemen Reflexen, die die Branche bis heute pflegt – wie der Behauptung, Recycling-Gold sei automatisch nachhaltig, und neuer Goldabbau müsse deshalb nicht mehr stattfinden.

Fairever wurde der erste Fairtrade-zertifizierte Edelmetallhändler in Deutschland. Noch im Gründungsjahr brachten wir die weltweit ersten zertifizierten Fairtrade Goldbarren auf den Markt. Zwei Jahre später, 2017, kam die Akkreditierung als einer der ersten Fairmined Authorized Suppliers in Europa hinzu. Seither verbindet uns eine enge Partnerschaft mit der Alliance for Responsible Mining (ARM) – der Organisation hinter dem Fairmined-Standard, deren globales Engagement für verantwortungsvollen Kleinbergbau bis heute essentiell ist.

Die weltweit ersten Fairtrade Goldbarren auf dem Markt – 2015 lanciert von TRAID GOLD, heute bekannt als Fairever
Die weltweit ersten Fairtrade Goldbarren auf dem Markt – 2015 lanciert von TRAID GOLD, heute bekannt als Fairever

Was Fairever in den ersten Jahren wirklich gebraucht hat, waren mutige Kunden – Menschen, die sich getraut haben, mit einem völligen Neuling zusammenzuarbeiten und ihren eigenen Kund:innen eine Geschichte zu erzählen, die der Markt noch nicht kannte. Ganz besonders nennen möchte ich Jan Spille, den Hamburger Goldschmied, der schon vor uns als einer der ersten in Deutschland mit fairem Gold gearbeitet hat und dessen Pioniergeist, Hartnäckigkeit und Freundschaft mich von Beginn an getragen haben. Weitere frühe Wegbegleiter waren – und sind – noën, Grüngold, Goldaffairs, Oronda, Aurhen und Atelier Dosch – wahre Pioniere und Helden! Ohne sie wäre Fairever in den ersten Jahren nicht überlebensfähig gewesen.

Mindestens genauso wichtig war von Anfang an die Betts Group aus Birmingham, ein Edelmetallspezialist mit über 250 Jahren Geschichte. Sie war unser enger operativer Partner von Tag eins an – ohne ihre Erfahrung in Raffination, Verarbeitung und Logistik hätte Fairever in den ersten Jahren schlicht nicht funktioniert. Diese Verbindung trägt bis heute – und ich möchte an dieser Stelle Duncan Marshall, Operations Manager bei Betts, persönlich danken: für jahrelange Unterstützung, Verlässlichkeit und eine Freundschaft, die weit über das Geschäftliche hinausgeht.

Was Fairever aufgebaut hat

Die eigentliche Lücke, die Fairever in Europa füllte, war nicht das faire Gold an sich – Standards und engagierte Pioniere gab es bereits. Was fehlte, war Verfügbarkeit und Auswahl. Diese Lücke hat Fairever geschlossen: mit einem konstanten und breiten Lagerbestand an Feingold, Feinsilber, diversen Legierungen, Schmuck-Halbzeugen und Investmentprodukten. Faires Gold sollte so verfügbar werden wie konventionelles Gold – nur mit zertifizierter Herkunft, Geschichte und Wirkung.

2018 zog Fairever nach Leipzig, wo wir heute zuhause sind. 2022 stießen Desirée Binternagel (heute Managing Director) und Carmen Weigelt (Finance & Operations) zum Team. Aus dem Solo-Projekt wurde ein echtes Unternehmen mit echtem Team. Heute sind wir zu viert, ergänzt durch ein starkes Netzwerk an Partnern und Unterstützern in diversen Bereichen.

2024 dann ein Moment, der uns alle berührt hat: Fairever wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet – als einer der Vorreiter der Transformation in unserer Branche. Eine wohltuende Anerkennung unseres Engagements.

Heute bezieht Fairever Gold von über zehn Fairmined- und Fairtrade-zertifizierten Minen in Südamerika und beliefert weltweit mehr als 600 Schmuckschaffende, Hersteller und Verarbeiter. 

Bis Ende 2026 wird Fairever rund eine Million US-Dollar an Prämien in die Bergbaugemeinschaften zurückfließen lassen haben – Geld, das vor Ort in Schulen, Kliniken, Wasserleitungen, Schutzausrüstung und sicherere Arbeitsweisen geflossen ist. Mittlerweile hat unsere Arbeit das Leben tausender Menschen im Globalen Süden spürbar verbessert.

Reisen zu den goldenen Quellen

Was im Arbeitsalltag in Leipzig leicht untergeht: Was wir tun, tun wir für die Bergbau-Gemeinschaften. Zertifizierungen und unabhängige Audits sind wichtig – aber wir überzeugen uns auch gern mit eigenen Augen davon, dass sich die Lebensrealität der Menschen vor Ort tatsächlich verbessert. Die regelmäßigen Reisen zu den Bergbau-Gemeinschaften sind für mich das Motivierendste an diesem Job: Nachhaltige Entwicklung, die sichtbar und fühlbar ist. Stolze Bergleute und lachende Kinder sind für mich die größte Belohnung.

Eine Auswahl der Reisen, die mich am stärksten geprägt haben:

2017 ging es in die Mongolei – meine erste Bergbau-Reise auf eigene Faust. Eingeladen bei der Kleinbergbau-Organisation XAMODX, mit der ich die weltweit erste Fairmined Ecological Gold Lieferkette aus der Mongolei aufgebaut habe. Was als Geschäftsreise begann, wurde zu einem meiner skurrilsten Erlebnisse: Einladung in eine private Jurte, vergorene Stutenmilch (Airag) aus großen Schalen, danach ein gemeinsamer Ausritt über die endlose Steppe. Manche Geschäftspartnerschaften beginnen am Konferenztisch. Diese begann zu Pferd.

Florian Harkort zu Gast bei der Kleinbergbau-Organisation XAMODX, Mongolei 2017. Zu Pferd über die endlose Steppe.
Florian Harkort zu Gast bei der Kleinbergbau-Organisation XAMODX, Mongolei 2017. Zu Pferd über die endlose Steppe.

2018 ging es nach Kolumbien, gemeinsam mit der Alliance for Responsible Mining. Besonders beeindruckt hat mich die Kooperative Iquira im Hochland von Huila. Die Mineneingänge liegen versteckt zwischen Kaffeeplantagen. Die Familien dort kombinieren Goldabbau und Kaffeeanbau – je nach Saison ist man Bergmann oder Kaffeebauer. Das ist ein Paradebeispiel nachhaltiger Entwicklung, weil die Menschen damit auf mehreren Beinen stehen und ihre Region wirtschaftlich diversifizieren.

2019 reiste ich nach Peru und besuchte gleich drei zertifizierte Bergbau-Organisationen: Sotrami und Macdesa, beide Fairtrade-zertifiziert, sowie Oro Puno, mit dem höchsten Standard – Fairmined Ecological, also Goldabbau ganz ohne schädliche Chemikalien. Oro Puno liegt auf 4.700 Metern in den Hochanden, die Luft ist dort spürbar dünn – jeder Schritt erinnert daran, unter welchen Bedingungen diese Menschen Tag für Tag für unser Gold arbeiten. Auch dort ist verantwortungsvoller Kleinbergbau eine Erfolgsgeschichte: Geprüfte Sicherheitsstandards, Frauen in Führungspositionen, Krankenstationen und Schulen.

2021 dann eine ganz besondere Reise: wieder Kolumbien, diesmal mit Jan Spille und einem Kamerateam. Daraus entstand die Reportage „Gold und Glitzer – Schmuck aus fairem Handel“ für das Format “Plan B” im ZDF. Zum ersten Mal hatte ein breites deutsches Publikum die Möglichkeit, von Zuhause aus mitzuerleben, wie verantwortungsvoller Kleinbergbau aussieht – nicht als abstraktes Konzept, sondern als reale Arbeit echter Menschen.

Warum ich manchmal trotzdem frustriert bin

Es wäre gelogen zu schreiben, dass dieser Weg leicht war oder es heute ist. Es gibt Tage, an denen mir die Energie ausgeht. Vor allem dann, wenn große Schmuck-Label feierlich verkünden, sie hätten „auf 100 Prozent Recycling-Gold umgestellt“, und die Branche applaudiert, als hätten sie damit etwas Großes für Menschen oder Klima getan.

Hier muss ich klar sein: Das übliche “Recycling-Gold” löst kein einziges Problem an der Wurzel. Es führt nicht dazu, dass weniger Gold neu abgebaut wird – die globale Nachfrage nach Gold ist robust und wächst. Und es bringt keiner einzigen Bergbau-Gemeinschaft im Globalen Süden bessere Bedingungen. Es lenkt nur die Aufmerksamkeit weg von den Orten, an denen Gold tatsächlich aus dem Boden kommt – und an denen wir als Branche Verantwortung tragen müssen. Generisches „Recycling-Gold“ als Lösung zu verkaufen, ist im besten Fall Selbsttäuschung. Im schlechteren Fall: Greenwashing.

Was mich aus solchen Momenten der Frustration wieder herausholt, sind die Menschen. Die Bergleute, die ich in Peru, Kolumbien und der Mongolei getroffen habe und die heute optimistisch in die Zukunft blicken. Die Schmuckmacher:innen, die mit uns Stück für Stück eine andere Lieferkette aufbauen. Und nicht zuletzt unser jährliches Fair Get Together, das wir auf der Inhorgenta Schmuckmesse in München organisieren – ein Fixpunkt im Branchenkalender, der sich anfühlt wie ein herzliches Familientreffen. Das ist die Bewegung. Und sie wächst.

Fair Get Together @ Inhorgenta München – Das jährliche Branchentreffen für nachhaltigen Schmuck, mitorganisiert von Fairever
Fair Get Together @ Inhorgenta München – Das jährliche Branchentreffen für nachhaltigen Schmuck, mitorganisiert von Fairever

Ein neues Kapitel – mit einem “alten” Partner

Anfang 2026 begann für Fairever das nächste Kapitel: Die Betts Group, seit Tag eins unser Wegbegleiter, ist eine vertiefte strategische Partnerschaft mit Fairever eingegangen. Damit erweitert sich unser Portfolio um Produkte wie Single Mine Origin Gold und wir erhalten Zugang zu weiterer Expertise und einem internationalen Netzwerk.

Wichtiger als die operative Erweiterung ist, was diese Partnerschaft für die Zukunft bedeutet: Fairever steht damit auf einer deutlich solideren langfristigen Basis. Wir haben einen Partner gefunden, der unsere Vision zu 100 % mitträgt, der das Geschäft aus eigener Erfahrung kennt und der mit über 250 Jahren Branchengeschichte einen Horizont mitbringt, den wir als junges Unternehmen alleine nicht hätten. 

Was als idealistisches kleines Vorhaben begann, wird damit zu einer Plattform für systemischen Wandel im globalen Goldmarkt – mit gleicher Mission, aber deutlich größerer Wirkung.

Heute: Strategie und Aufklärung

Seit Desirée Binternagel 2022 als Managing Director die Verantwortung trägt, kann ich mich auf das konzentrieren, wofür ich am meisten brenne: Strategie, Partnerschaften und Aufklärung. Das Schreiben von Artikeln wie diesem. Das Kommunizieren mit Schmuckmacher:innen und Investor:innen über das, was hinter ihrem Gold steht.

Was ich heute anders sehe als 2015: Damals dachte ich, wenn faires Gold erst einfach verfügbar ist, wird der Markt es schnell annehmen. Heute weiß ich, dass das Produkt allein nicht reicht. Verantwortungsvolles Gold setzt sich nicht von selbst durch – es braucht Aufklärung, Storytelling und langfristige Partnerschaften. Deshalb ist genau das heute mein Fokus.

Was mich dabei leitet, ist eine Grundüberzeugung: Nachhaltige Entwicklung funktioniert am besten, wenn möglichst viele Menschen daran teilhaben können. Nicht durch Bevormundung von außen und nicht durch zentralistische Großprojekte, sondern durch bessere Bedingungen an der Basis – bei den Menschen, die unsere globalen Lieferketten Tag für Tag mit Leben füllen. Fairer Handel beginnt für mich damit, dass kleine Akteure denselben Marktzugang (und Respekt) erhalten wie große. Und dass Arbeits- und Umweltstandards weltweit konsequent angehoben werden. Es geht um Partizipation und Chancengleichheit.

Florian Harkort trifft Rolberto Álvarez von Fortaleza, einer vorbildlichen Kleinbergbau-Organisation in Kolumbien
Ein Händedruck, der alles sagt: Florian Harkort trifft Rolberto Álvarez von “Fortaleza”, einer vorbildlichen Kleinbergbau-Organisation in Kolumbien. Fairer Handel fängt genau hier an.

Ich bin ein rationaler Optimist – ich glaube an Daten und Standards, an Audits und messbare Wirkung statt an schöne Worte. Aber ich glaube eben auch: Eine bessere Zukunft für alle Menschen ist möglich. Auch und gerade im Bergbau, der so lange im Schatten seiner eigenen Lieferketten gelebt hat.

Was Gold sein kann

Was vor fast zwei Jahrzehnten in einem Goldgräbercamp am Straßenrand in Äthiopien begann, hat sich gewandelt. Es ist nicht mehr nur meine Geschichte. Es ist die Geschichte einer wachsenden Bewegung – getragen von Bergleuten in den Anden und im kolumbianischen Hochland, von Goldschmied:innen in Leipzig, Paris und Barcelona, von Marken, die wirklich wissen wollen, woher ihr Material kommt, und von Kund:innen, die die richtigen Fragen stellen.

Ich glaube fest daran: Schmuck und Goldbarren sind mehr als Produkte. Sie können eine treibende Kraft für Gutes werden – für die Menschen, die das Gold aus dem Boden holen, für die Regionen, aus denen es kommt, und für eine Branche, die bereit ist, ihre eigene Geschichte neu zu schreiben. 

Gold ist schön. Und wenn wir es richtig machen, ist auch sein Weg dorthin ein Grund zur Freude.

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