Gold-Kleinbergbau (ASM)

Bedeutung, Methoden, Probleme – und warum 100 Millionen Menschen davon leben

Rund 100 Millionen Menschen weltweit leben vom Gold-Kleinbergbau.1 Er fördert schätzungsweise 15 % des Goldes, das jedes Jahr aus Minen kommt – stellt aber 90 bis 95 % aller Arbeitsplätze im weltweiten Goldbergbau.2 Dieser Artikel gibt den Überblick: wie der Sektor gewachsen ist, wie dort gearbeitet wird, welche Schäden entstehen und welches Potenzial in ihm steckt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gold-Kleinbergbau ist der größte Arbeitgeber des Goldbergbaus. 15–20 Millionen Menschen arbeiten direkt in ihm, rund 100 Millionen leben von ihm – bei nur rund 15 % der Fördermenge.
  • Je Kilogramm Gold beschäftigt der Kleinbergbau rund hundertmal so viele Menschen wie der industrielle Großbergbau. Wer soziale Wirkung sucht, findet sie hier – und nirgendwo sonst in dieser Größenordnung.
  • Die Methode entscheidet über den Schaden, nicht die Betriebsgröße. Zwischen schlechtester und bester Praxis liegt beim Quecksilber ein Vielfaches und beim Diesel rund Faktor drei – bei identischem Endprodukt.
  • Der Sektor ist die größte menschengemachte Quecksilberquelle der Welt. Auf ihn entfallen rund 37 % aller Quecksilber-Freisetzungen in Luft, Wasser und Boden. Wie viel eingesetzt wird, hängt dabei vollständig vom Verfahren ab.
  • Die meisten Kleinbergleute treffen keine Wahl, sondern nutzen die einzige Option, die sie haben. Fehlende Alternativen, fehlende Bildung und unerreichbare Formalisierung halten den Zustand fest, nicht Gleichgültigkeit.

Was Gold-Kleinbergbau ist – und was nicht

Kleinbergbau ist Bergbau mit viel Handarbeit und wenig Kapital. International spricht man von artisanal and small-scale mining, kurz ASM; bezogen auf Gold von artisanal and small-scale gold mining, kurz ASGM. Gemeint sind Einzelpersonen, Familien, Kooperativen und kleine Betriebe, die Gold mit einfachem Gerät gewinnen – im Stollen, im Flussbett, im Tagebau.

Die maßgebliche Definition stammt von der OECD. In ihrem Leitfaden zur Sorgfaltspflicht in Mineralien-Lieferketten heißt es, Kleinbergbau seien „formelle oder informelle Bergbaubetriebe mit überwiegend vereinfachten Formen von Exploration, Abbau, Aufbereitung und Transport. Kleinbergbau ist normalerweise wenig kapitalintensiv und nutzt sehr arbeitsintensive Technik.“3 Die Definition umfasst ausdrücklich beides: Einzelne, die allein oder im Familienverbund schürfen, und Kooperativen mit Hunderten oder Tausenden von Mitgliedern.

Der Gegensatz dazu ist der Gold-Großbergbau: hochmechanisiert, kapitalintensiv, meist in der Hand internationaler Konzerne, mit sehr wenigen Beschäftigten je geförderter Menge Gold. Beide Formen existieren oft im selben Land, manchmal auf demselben Berg.

Entscheidend ist eine Unterscheidung, die in der Debatte ständig verwischt wird: Kleinbergbau ist nicht gleich illegaler Bergbau. Der Sektor zerfällt in drei Gruppen:

  • Formalisiert: Der Betrieb hat Konzession, Lizenz und Rechtsstatus, zahlt Abgaben und unterliegt staatlicher Aufsicht. Diese Gruppe ist die kleinste.
  • Informell: Der Abbau ist nicht verboten, aber unregistriert – meist, weil die Formalisierung zu teuer, zu langwierig oder praktisch unerreichbar ist. Das ist die größte Gruppe.
  • Illegal: Der Abbau findet in Schutzgebieten, auf fremdem Grund oder unter Kontrolle krimineller Strukturen statt.

Wer diese drei Gruppen in einen Topf wirft, kommt zwangsläufig zu falschen Lösungen. Ein Großteil dessen, was in Schlagzeilen als „illegaler Goldbergbau“ erscheint, ist rechtlich betrachtet informeller Bergbau von Menschen, die gern legal arbeiten würden.

Wie der Kleinbergbau seit 2000 gewachsen ist

Der wichtigste Treiber des Wachstums ist der Goldpreis. Im Jahresdurchschnitt 2001 kostete eine Feinunze Gold 271 US-Dollar.4 Am 9. September 2026 waren es 4.418 US-Dollar.5 Das ist mehr als eine Versechzehnfachung in 25 Jahren – und für Menschen ohne Landtitel, Ersparnisse oder Arbeitsvertrag ist Gold damit die zugänglichste Einkommensquelle, die ihre Region zu bieten hat.

Eine saubere globale Zeitreihe speziell für den Gold-Kleinbergbau existiert nicht. Als Indiz taugt die rohstoffübergreifende Zahl für den gesamten Kleinbergbau: 1999 schätzte die Internationale Arbeitsorganisation die Zahl der Beschäftigten auf rund 13 Millionen, die Weltbank nennt heute rund 45 Millionen in 80 Ländern.6 Das ist mehr als eine Verdreifachung – über alle Rohstoffe hinweg, nicht nur Gold.

Für Gold selbst lassen sich zwei Fixpunkte vergleichen. Eine viel zitierte Studie schätzte die weltweite Kleinbergbau-Produktion für das Bezugsjahr 2011 auf 380–450 Tonnen.7 Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 kommt auf einen Medianwert von 520 Tonnen, bei einer Spanne von 380–870 Tonnen.8

Neben dem Preis wirken weitere Kräfte: fehlende Einkommensalternativen im ländlichen Raum, Migration in Abbaugebiete, Währungsverfall und politische Krisen.

In Zahlen: wenig Gold, sehr viele Menschen

15–20 Millionen Menschen arbeiten weltweit direkt im Gold-Kleinbergbau. Die Vereinten Nationen nennen 10–15 Millionen, darunter 4–5 Millionen Frauen und Kinder; neuere Schätzungen des Intergovernmental Forum on Mining gehen von knapp 20 Millionen in rund 70 Ländern aus.9 Rechnet man vor- und nachgelagerte Tätigkeiten sowie Familienangehörige hinzu, leben rund 100 Millionen Menschen von diesem Sektor.1

Die Fördermenge liegt bei etwa 500–600 Tonnen Gold im Jahr.10 Zum Vergleich: 2025 wurden weltweit rund 3.672 Tonnen Gold aus Minen gefördert, so viel wie nie zuvor.11 Der Anteil des Kleinbergbaus beträgt damit rund 15 %; einzelne Quellen nennen bis zu 20 %.2

Die wichtigste Kennzahl des Sektors ergibt sich aus dem Verhältnis beider Zahlen. Im Kleinbergbau arbeiten rund 25 bis 40 Menschen direkt an jedem Kilogramm Gold. Im industriellen Großbergbau sind es etwa 0,3. Je Kilogramm Gold beschäftigt der Kleinbergbau also rund hundertmal so viele Menschen.12

Anders gesagt: Ein Bergmann im Kleinbergbau fördert im Jahr etwa eine Feinunze Gold, also rund 31 Gramm. Im Großbergbau sind es rund 100 Unzen je Beschäftigtem. Ein Ehering mit 5 Gramm Feingold aus dem Kleinbergbau entspricht rechnerisch rund acht Wochen Arbeit eines Kleinbergmanns.

Alle diese Zahlen sind Schätzungen, und die Spannen sind groß. Zwischen 10 und 20 Millionen Beschäftigten liegt der Faktor zwei; bei der Fördermenge reicht die wissenschaftliche Bandbreite von 380 bis 870 Tonnen. Das ist kein Mangel an Sorgfalt, sondern die Folge von Informalität: Wer nicht registriert ist, taucht in keiner Statistik auf. Die Unschärfe ist selbst ein Befund – sie zeigt, wie sehr diese Menschen im Schatten arbeiten.

Wie im Kleinbergbau Gold abgebaut wird

„Kleinbergbau“ beschreibt keine einzelne Methode, sondern ein ganzes Spektrum. Zwischen der Frau, die mit einer Waschpfanne im Fluss steht, und der Kooperative mit Kugelmühle, Rütteltisch und Zyanidanlage liegen technische Welten. Und genau dort entscheidet sich, wie viel Schaden entsteht.

Wo das Gold liegt

Der Lagerstättentyp bestimmt alles Weitere. Der Kleinbergbau baut drei Arten von Vorkommen ab:13

  • Alluviale Lagerstätten, sogenannte Seifen: Goldpartikel, die Flüsse aus verwittertem Gestein herangetragen und abgelagert haben – in Flussbetten, Terrassen und Schwemmebenen, oft nur wenige Meter tief.
  • Verwitterte Gesteinszonen, sogenannte Saprolite: Gold in weichem, teilentfestigtem Gestein. Leicht zu lösen, aber unregelmäßig verteilt.
  • Primäres Hartgestein: Gold in mineralisierten Gängen, mit 10–50 Gramm je Tonne Gestein, in Einzelfällen bis zu 200 Gramm. Muss gesprengt, gebrochen und gemahlen werden.

Zum Vergleich: Industrielle Tagebaue verarbeiten Erz mit durchschnittlich rund einem Gramm je Tonne.14 Kleinbergleute können nur reiche Gänge wirtschaftlich von Hand abbauen – und bewegen deshalb je Kilogramm Gold nur einen Bruchteil des Materials, grob 50 bis 100 Tonnen statt hundert bis über tausend.15

Seifengold ist meist grobkörnig und lässt sich rein mechanisch gewinnen. Hartgesteinsgold ist fein verwachsen und verlangt Zerkleinerung – hier beginnt der Chemikalieneinsatz.

Wie das Gold aus dem Boden kommt

Vier Abbauformen dominieren, und sie unterscheiden sich stark in ihrer Wirkung:

  • Goldwaschen von Hand: Waschpfanne oder Batea, oft im Nebenerwerb und häufig von Frauen ausgeübt. Der geringste Eingriff, aber auch der geringste Ertrag.
  • Alluvialer Tagebau: Abschieben der Deckschicht, Auswaschen des goldhaltigen Kieses über Schleusen, oft mit Hochdruckwasser. Zerstört Boden und Vegetation großflächig.
  • Fluss- und Schwimmbagger: Schwimmende Saug- oder Schaufelbagger graben Flussbetten um, trüben das Wasser und verlagern Sediment über weite Strecken.
  • Untertagebau: Schächte und Stollen entlang der Erzgänge, meist ohne Fachplanung, Belüftung oder ausreichenden Ausbau. Für die Bergleute die mit Abstand gefährlichste Variante – für Natur, Landwirtschaft und Anwohner dagegen die schonendste, weil an der Oberfläche kaum etwas zerstört wird.

Nicht selten kommt alles zusammen: In vielen Regionen arbeiten Handwäscher, Kooperativen mit Stollen und mechanisierte Baggerbetriebe im selben Flusstal.

Vom Gestein zum Gold: Aufbereitung und Chemie

Wie fein das Erz gemahlen wird, entscheidet über Ausbeute und Chemikalienbedarf. Zerkleinert wird von Hand, mit Backenbrechern oder mit Kugel-, Hammer-, Stempel- und chilenischen Mühlen. Ein verbreiteter Fehler: Viele Betriebe mahlen nur auf etwa 2 Millimeter statt auf unter 0,5 Millimeter, sodass ein großer Teil des Goldes im Gestein eingeschlossen bleibt.13

Danach folgt die Anreicherung, rein mechanisch über Schleusen, Rütteltische, Spiralen oder Zentrifugen. Gute Rütteltische liefern Konzentrate mit über 50 % Goldgehalt.13 Wer sauber anreichert, braucht anschließend deutlich weniger oder gar kein Quecksilber – das ist der wichtigste Hebel des ganzen Sektors.

Quecksilber ist trotzdem das verbreitetste Trennmittel. Es bindet Goldpartikel zu einem Amalgam, das anschließend erhitzt wird, bis das Quecksilber verdampft. Die schlechteste Praxis ist die Amalgamierung des gesamten Erzes: im Verhältnis von 4:1 bis 20:1 und mehr zum gewonnenen Gold, bei Ausbeuten, die selten über 30 % liegen.13 Wird nur das Konzentrat amalgamiert, sinkt das Verhältnis auf etwa 1:1 bis 1,3:1. Retorten und Abzugshauben fangen den Dampf auf und senken die Emissionen um 75–95 %.13

Zyanidlaugung erzielt die höchste Ausbeute – oft 90 % des im Erz enthaltenen Goldes.13 Sie gilt vielen als bedenklich, ist im Vergleich zu Quecksilber aber das kleinere Übel: Zyanid reichert sich weder im Körper noch in der Nahrungskette an und baut sich in der Umwelt ab, vor allem durch Ausgasen, Oxidation, Photolyse und mikrobiellen Abbau.16 Seine Gefahr wirkt akut und ist deshalb allen Beteiligten bewusst, während Quecksilber langsam, geruchlos und unsichtbar vergiftet.

Die hohe Ausbeute ist dabei mehr als ein wirtschaftliches Argument. Wer gleich beim ersten Durchgang so viel Gold wie möglich herausholt, lässt weniger davon in den Rückständen zurück. Genau diese Halden werden sonst Jahre später ein zweites Mal aufbereitet – und zwar mit Zyanid. Trifft es dann auf quecksilberhaltiges Material, entstehen lösliche Quecksilber-Zyanid-Verbindungen, die sich in Gewässern leichter ausbreiten und das Quecksilber biologisch verfügbarer machen.13 Kontrolliert und von Anfang an richtig eingesetzt, ist Zyanid deshalb ein Weg aus dem Quecksilber.

Und es geht ganz ohne Quecksilber. Bei der Direktschmelze wird ein hochwertiges Konzentrat mit Flussmitteln wie Borax eingeschmolzen, bis sich das Gold von den übrigen Mineralen trennt. Ein Beispiel aus der Mongolei zeigt eine komplette quecksilberfreie Kette – Backenbrecher, chilenische Mühle, Schleusen, Rütteltisch, Direktschmelze – mit rund 70 % Ausbeute.13 Sie eignet sich allerdings nur für kleine, hochhaltige Konzentrate und skaliert schlecht. Wer den Ausstieg aus dem Quecksilber will, muss Betrieben also entweder gute Anreicherung plus Direktschmelze oder eine sicher betriebene Zyanidanlage finanzieren – beides kostet Geld, das im informellen Sektor niemand hat.

Wo im Kleinbergbau Gold abgebaut wird

Gold-Kleinbergbau findet in 70 bis 80 Ländern statt, fast ausschließlich im Globalen Süden.9 Drei Großregionen prägen das Bild.

Asien stellt in absoluten Zahlen die meisten Kleinbergleute, mit Schwerpunkten in China, Indonesien, auf den Philippinen, in Myanmar und in der Mongolei. Für 2014 wurden dort rund 10,6 Millionen Menschen im Kleinbergbau aller Rohstoffe gezählt, davon allein 9 Millionen in China.2 Die Mongolei gilt zugleich als Beispiel für weit entwickelte quecksilberfreie Verfahren.13

Subsahara-Afrika folgt mit rund 9,9 Millionen Kleinbergleuten (2014, alle Rohstoffe), ist aber die Region mit der höchsten gesellschaftlichen Abhängigkeit: In afrikanischen Ländern hingen 5–20 % der Bevölkerung direkt am Kleinbergbau, gegenüber 0,1–5 % in Lateinamerika und 0,1–1 % in Asien.2 Schwerpunkte sind Ghana, Burkina Faso, Mali, Niger, Sudan, Tansania und die Demokratische Republik Kongo.

Lateinamerika ist mit rund 1,4 Millionen Kleinbergleuten (2014, alle Rohstoffe) die kleinste der drei Regionen2 – und zugleich die am besten dokumentierte, weil der Abbau dort in den Amazonasregenwald und in die Anden vordringt. Schwerpunkte sind Peru, Kolumbien, Bolivien, Ecuador, Brasilien, Venezuela und die Guyanas. Die Ausprägungen unterscheiden sich stark: In Ecuador stammen 85 % der nationalen Goldproduktion aus dem Kleinbergbau, in Bolivien kommen 99 % des Goldes aus Bergbau-Kooperativen.17

Die Probleme des Gold-Kleinbergbaus

Quecksilber: die größte Quelle weltweit

Der Gold-Kleinbergbau setzt mehr Quecksilber frei als jede andere menschliche Tätigkeit. Auf ihn entfallen rund 37 % der jährlich rund 2.200 Tonnen, die weltweit in Luft, Wasser und Boden gelangen.18 Praktisch das gesamte im Sektor eingesetzte Quecksilber landet in der Umwelt.

Die Wirkungskette reicht weit über die Mine hinaus. Quecksilber gelangt in Flüsse, wird dort von Mikroorganismen in Methylquecksilber umgewandelt, reichert sich in Fischen an und erreicht so Menschen, die nie eine Mine von innen gesehen haben. Es schädigt vor allem das Nervensystem, besonders bei Ungeborenen und Kleinkindern.

Wie viel eingesetzt wird, hängt vollständig vom Verfahren ab: Bei der Amalgamierung des gesamten Erzes sind es im Mittel rund 5 Kilogramm Quecksilber je Kilogramm Gold, bei der Amalgamierung von Konzentrat 1 bis 2 Kilogramm.19 Feldmessungen im brasilianischen Amazonas zeigen, dass mit Retorten von 1,7 eingesetzten Kilogramm nur noch rund 0,19 Kilogramm in die Umwelt gelangen.20 Zwischen schlechter und guter Praxis liegt hier ein Vielfaches – und genau hier setzen verbindliche Standards an. Mehr zu den ökologischen Folgen des Goldabbaus insgesamt: Gold & Umweltzerstörung.

Zyanid: beherrschbar, aber selten beherrscht

Zyanid ist gegenüber Quecksilber das kleinere Übel – aber nur unter Kontrolle. Genau daran fehlt es im Kleinbergbau meist. Ein Praxisleitfaden von planetGOLD und dem Artisanal Gold Council hält fest, dass der Zyanideinsatz im Sektor „häufig ohne die entscheidenden Schutzvorkehrungen und ohne verantwortungsvolle Betriebsführung“ stattfindet und die Überwachung der Abwässer „weithin mangelhaft“ sei.21 Gelaugt wird in ungedichteten Becken und Halden, entgiftet wird selten – und was übrig bleibt, versickert oder fließt ab. Anders als im Großbergbau droht dabei selten der spektakuläre Dammbruch. Das Risiko ist leiser: undichte Becken, Starkregen, direkte Einleitung.

Für Gewässer und Anwohner ist das folgenreich. Wasserlebewesen reagieren deutlich empfindlicher auf Zyanid als Landlebewesen, und beim Abbau der Verbindungen werden zusätzlich Schwermetalle aus dem Gestein gelöst und mobil.21 Eine Felduntersuchung auf den Philippinen zeigt, wie nah das an den Menschen liegt: Dort standen Laugungsbecken teils nur fünf Meter von Wohnhäusern entfernt, die Rückstände liefen unbehandelt über Entwässerungsgräben in den nächsten Fluss, und bei 35 % der untersuchten Bergleute waren die Zyanidwerte im Blut erhöht.22 Das Problem ist also nicht der Stoff, sondern der unkontrollierte Umgang mit ihm – und der lässt sich mit Technik und Aufsicht beheben.

Waldrodung: Gold ist der größte Treiber

Zwischen 2001 und 2023 hat der Bergbau weltweit 19.765 Quadratkilometer Wald direkt zerstört – und Gold ist mit knapp 42 % der größte Einzeltreiber, vor Kohle mit 26 %.23 Das entspricht rund 8.200 Quadratkilometern, etwa der dreifachen Fläche des Saarlands. Die dabei freigesetzten Treibhausgase summieren sich über den Zeitraum auf 0,75 Milliarden Tonnen CO2, davon rund 0,39 Milliarden allein durch Goldbergbau.

Zwei Drittel dieser Entwaldung gehen auf Bergbau zurück, der in keinem offiziellen Register auftaucht. Beim Gold sind es sogar 73 %.23 Das Problem liegt also nicht dort, wo hingeschaut wird, sondern dort, wo nicht.

Am deutlichsten sichtbar ist das im Amazonasgebiet. Dort hat sich der Bergbau-Fußabdruck zwischen 2018 und 2024 mehr als verdoppelt, auf gut 2 Millionen Hektar; mehr als die Hälfte davon entfiel auf Brasilien.24 In Peru summiert sich die Zerstörung bis Mitte 2025 auf 139.169 Hektar, zu 97,5 % in der Region Madre de Dios – etwa die eineinhalbfache Fläche Berlins.25

Der Mechanismus ist bei alluvialem Abbau immer derselbe: erst die Vegetation entfernen, dann die Deckschicht abschieben, dann das goldhaltige Material auswaschen. Zurück bleiben Sand, Geröll und quecksilberbelastete Tümpel – eine Landschaft, die sich von selbst nicht mehr bewaldet, weil der Oberboden fehlt.

Klimabilanz: Diesel abseits jedes Stromnetzes

Der Energiebedarf im Gold-Kleinbergbau wird fast vollständig mit Dieselgeneratoren gedeckt. Abbaugebiete liegen selten am Stromnetz; Pumpen, Bagger, Mühlen und Licht hängen an Aggregaten. Die bislang gründlichste Feldstudie – 47 Standorte im brasilianischen Amazonasgebiet – kommt auf rund 16 Tonnen CO2-Äquivalent je Kilogramm Gold, bei einer Spanne von 10 bis 30 Tonnen.20

Auch hier entscheidet die Methode. Untertägiger Hartgesteinsbergbau liegt in derselben Studie bei rund 9,8 Tonnen je Kilogramm, alluvialer Abbau mit Bagger bei 18, Flussbagger bei 25,7 und manueller alluvialer Abbau bei 29,2 Tonnen.20 Der Grund ist derselbe wie beim Quecksilber: Wo wenig Gold in viel Material steckt, muss mehr bewegt, gepumpt und gewaschen werden – und der Dieselverbrauch steigt mit. Der Großbergbau liegt im globalen Durchschnitt bei 23 bis 33 Tonnen je Kilogramm Gold.26 Eine Einschränkung gehört zu diesen Zahlen: Die Datenbasis für den Kleinbergbau ist dünn. Hier trägt im Wesentlichen eine einzelne regionale Feldstudie, während der Wert für den Großbergbau auf 194 Minen in 35 Ländern beruht.

Gesundheit und Sicherheit der Bergleute

Im Kleinbergbau fehlt fast alles, was Arbeit sicher macht. Stollen werden ohne Fachplanung getrieben und ohne ausreichenden Ausbau befahren; Einstürze und Verschüttungen gehören zu den häufigsten Todesursachen. Sprengarbeiten finden oft ohne Ausbildung statt.

Hinzu kommen die schleichenden Schäden. Quarzstaub führt zu Silikose, einer unheilbaren Lungenerkrankung. Lärm, Vibration und schweres Heben zerstören Gehör und Gelenke. Schutzausrüstung ist selten, medizinische Versorgung in abgelegenen Abbaugebieten noch seltener.

Das gilt auch außerhalb des Stollens. In vielen Abbaugebieten fehlen sauberes Trinkwasser, Abwasserentsorgung und Strom. Boomtowns entstehen binnen Monaten und ohne Planung, mit entsprechenden Folgen für Hygiene, Kriminalität und die Sicherheit von Frauen. Wer krank oder verletzt ist, verdient nichts – eine Absicherung gibt es nicht.

Wer dort arbeitet – und warum

Kinderarbeit ist im Gold-Kleinbergbau verbreitet. Weltweit arbeiten nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation über eine Million Kinder in Minen und Steinbrüchen. In Burkina Faso und Niger bestehen 30–50 % der Belegschaft im Goldbergbau aus Kindern, in Mali sind rund 20 % der Kleinbergleute minderjährig.27 Ausführlicher dazu: Gold & soziale Auswirkungen.

Frauen stellen einen erheblichen Teil der Arbeitskraft, vor allem beim Zerkleinern, Waschen und bei der Amalgamierung – also gerade dort, wo der Quecksilberkontakt am höchsten ist. An Eigentum, Konzessionen und Entscheidungen sind sie deutlich seltener beteiligt.

Entscheidend ist der Grund, aus dem diese Menschen dort arbeiten. Der Kleinbergbau wird, wie es das Intergovernmental Forum on Mining formuliert, „in der Regel als Weg aus der Armut betrieben oder als Tätigkeit, die ein unzureichendes Einkommen ergänzt – besonders in Gemeinschaften, in denen es kaum alternative Beschäftigung gibt“.2 In den meisten Abbauregionen gibt es keine Fabrik, kein Büro und keine zweite Einkommensquelle.

Schulbildung endet früh, Wissen über die Wirkung von Quecksilber ist kaum vorhanden, und wer heute nichts verdient, hat morgen nichts zu essen. Das ist keine Entschuldigung für Kinderarbeit oder Umweltzerstörung. Aber es verschiebt die Frage nach der Verantwortung: Die meisten Kleinbergleute treffen keine Wahl zwischen gut und schlecht, sondern nutzen die einzige Option, die ihre Region hergibt.

Ein edles Metall, ein miserabler Preis

Wer informell Gold fördert, verkauft es selten zu guten Bedingungen. Ohne Konzession gibt es keinen Bankkredit, ohne Kredit keine Ausrüstung. Zwischenhändler springen ein: Sie finanzieren Werkzeug, Treibstoff und Quecksilber vor – und sichern sich im Gegenzug einen Teil der Förderung, bevor die Bergleute selbst etwas verdienen.

Wie groß dieser Teil ist, ist untersucht. In der Demokratischen Republik Kongo geht üblicherweise ein Drittel der Produktion an die Rückzahlung der Vorfinanzierung.28 In Ghana beschreibt die OECD ein verbreitetes Modell mit 30 % für den Konzessionsinhaber und 40 % für den Sponsor – erst der Rest wird unter den Grabenden aufgeteilt.29

Beim Preis je Gramm entscheidet vor allem die Entfernung. Je abgelegener der Verkaufsort, desto größer die Marge des Händlers. In Burkina Faso erhalten Bergleute an der Mine für Kleinmengen 85–87 % des LBMA-Fixings, während Exporteure im selben Land 97 % bekommen.30

Wer vorfinanziert ist, kann nicht warten und nicht vergleichen – verkauft wird dort, wo der Kredit herkam. Daraus entsteht ein Kreislauf aus Vorfinanzierung und Verschuldung, der über Generationen wirken kann. Der Goldpreis mag auf Rekordniveau stehen; bei denen, die das Gold aus dem Boden holen, kommt davon nur ein Bruchteil an.

Wo Bewaffnete den Abbau kontrollieren

In einigen Regionen ist Gold längst eine Einnahmequelle bewaffneter Gruppen. Am gründlichsten dokumentiert ist das für den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Dort arbeiten 85 % der erfassten Kleinbergleute in Goldminen – Gold ist damit mit Abstand der wichtigste artisanale Rohstoff der Region.31

Von rund 132.320 erfassten Bergleuten waren 61 % von „Interferenz“ betroffen, also von illegaler Abgabenerhebung durch bewaffnete Akteure. Nichtstaatliche bewaffnete Gruppen waren an 29 % der besuchten Minenstandorte präsent, Einheiten der kongolesischen Armee an 37 %.31 Diese Anteile beziehen sich auf alle Rohstoffe; da 85 % der Bergleute im Gold arbeiten, betreffen sie ganz überwiegend den Goldbergbau.

Für die Bergleute bedeutet das die schlechteste aller Konstellationen: keine Rechte, keine Ausweichmöglichkeit und ein Abnehmer, der Abgaben mit Gewalt eintreibt.

Wohin das Gold verschwindet

Ein erheblicher Teil des Kleinbergbau-Goldes verlässt sein Herkunftsland, ohne je deklariert zu werden. Allein 2022 wurden mindestens 435 Tonnen aus Afrika geschmuggelt – mehr als eine Tonne pro Tag, im Gesamtwert von 24–35 Milliarden US-Dollar jährlich. Zwischen 2012 und 2022 hat sich der Schmuggel mehr als verdoppelt. Hauptabnehmer sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die Schweiz und Indien.32

Die Route ist gut dokumentiert. Die Emirate importierten zwischen 2012 und 2022 rund 2.596 Tonnen undeklariertes afrikanisches Gold. Im selben Zeitraum führte die Schweiz über 1.670 Tonnen aus Dubai ein.32 Möglich macht das eine Regel, die nach Schweizer Recht den letzten Verarbeitungsort als Ursprung definiert: Gold aus den Emiraten gilt als emiratisches Gold, unabhängig davon, wo es tatsächlich aus dem Boden kam.

Am Ende der Kette kann aus frisch abgebautem Gold „Recycling-Gold“ werden. Nach einer Analyse von IUCN NL genügt in der Praxis eine einzige Umwandlung nach der Erstraffination, damit Gold als recycelt deklariert wird – auch wenn es aus illegalen Quellen stammt und gerade erst abgebaut wurde.33 Mehrere Untersuchungen weisen darauf hin, dass illegal gefördertes Gold auf diesem Weg in die formale Lieferkette gelangt. Was der Begriff tatsächlich abdeckt, klären wir im Artikel Was ist Recycling-Gold?.

Warum sich daran so wenig ändert

Formalisierung ist der naheliegende Ausweg – und für die meisten unerreichbar. Konzessionsverfahren dauern Jahre, kosten Gebühren, verlangen Gutachten, Rechtsberatung und oft die Zusammenarbeit mit weit entfernten Behörden. Wer täglich um das Einkommen kämpft, kann diesen Weg nicht vorfinanzieren. Der informelle Status ist deshalb selten eine Entscheidung, meist ein Ergebnis.

Pauschale Verbote verschlimmern die Lage regelmäßig. Ecuador zeigt das exemplarisch: Quecksilber ist dort gesetzlich verboten, wird im Kleinbergbau aber weiterhin heimlich eingesetzt.17 Das Verbot hat den Einsatz nicht beendet, sondern in die Illegalität verschoben – dorthin, wo niemand mehr schult, misst oder kontrolliert. Der passende Handel ist längst entstanden: Die Environmental Investigation Agency dokumentierte, dass in vier Jahren mindestens 200 Tonnen illegales Quecksilber aus Mexiko nach Peru, Bolivien und Kolumbien geschmuggelt wurden, organisiert von kriminellen Kartellen.34

Auch Standards für den Kleinbergbau ziehen daraus Konsequenzen. Der Fairmined Gold Standard verzichtet bewusst auf ein sofortiges Quecksilberverbot und reguliert den Einsatz stattdessen – mit der Begründung, als Bedingung im Standard würden „95 % aller Kleinbergleute von der Entwicklungschance durch Fairmined ausgeschlossen“.35 Wer ausgeschlossen wird, hört nicht auf zu schürfen. Er schürft nur ohne Regeln weiter.

Wenn die Branche wegschaut

Dieselbe Logik gilt für die Abnehmerseite – und dort ist sie besonders wirksam. Die London Bullion Market Association beschreibt in einer eigenen Untersuchung „einen Trend unter den Raffinerien der Good Delivery List, das Risiko zu meiden, indem sie die Raffination von ASM-Gold ablehnen“.36 Der Grund ist nicht mangelndes Interesse, sondern Aufwand: Die Sorgfaltsprüfung für Kleinbergbau-Gold ist komplexer und teurer als für Gold aus Großminen.

Die Folge lässt sich beziffern. Von 5.038 Tonnen, die Good-Delivery-Raffinerien 2020/21 verarbeiteten, waren nur 21 Tonnen als Kleinbergbau-Gold erfasst – rund 3 % der damals geschätzten Weltproduktion von 700 Tonnen aus dem Kleinbergbau.36 Über 95 % dieses Goldes laufen also außerhalb der geprüften Kanäle.

Einzelne Raffinerien haben den Rückzug offen erklärt; ein Schweizer Unternehmen stellte 2019 das gesamte Kleinbergbau-Geschäft ein und begründete das mit der „anhaltenden Komplexität in der Lieferkette“.37 Eine Untersuchung zur Integration von Kleinbergbau-Gold hält fest, dass viele Raffinerien schlicht „eine Politik haben, kein ASM-Gold anzunehmen“.30

Wohin dieses Gold stattdessen fließt, benennt die LBMA selbst: Es gelangt „über die Pfade des geringsten Widerstands“ in die internationalen Märkte – über Händler, Sammler, Zwischenverarbeiter und Zwischenraffinerien, die keine nennenswerte Sorgfaltsprüfung verlangen.36 Der Ausschluss beseitigt das Gold nicht, er beseitigt nur die Sichtbarkeit.

Dass solche Ausschlüsse reale Folgen haben, ist untersucht. Nach der US-Konfliktmineralien-Regulierung kam es in der Demokratischen Republik Kongo faktisch zu einem Bann auf artisanalen Bergbau, der nach einer Analyse in PLOS ONE „hunderttausende Bergbaugemeinschaften ihrer Lebensgrundlage beraubte“ – begleitet von messbar mehr Gewalt in den betroffenen Gebieten.38 Bis zu zwei Millionen Bergleute wurden durch Formalisierungs- und Regulierungsanforderungen ausgeschlossen.39

Der Kleinbergbau ist damit nicht die Ursache dieser Missstände, sondern ihr Symptom. Die Ursachen liegen in fehlenden Alternativen, in unerreichbarer Legalität und in einer Lieferkette, die Undurchsichtigkeit belohnt und Hinsehen bestraft. Wer die Herkunft seines Goldes nicht hinterfragt, hält dieses System in Gang. Wer sie hinterfragt, beginnt es zu verändern.

Das Potenzial: was dieser Sektor bewegen kann

Die Arbeitsintensität, die den Kleinbergbau so verletzlich macht, ist zugleich seine größte Stärke. Je Kilogramm Gold hängen hier rund hundertmal so viele Arbeitsplätze wie im Großbergbau. Jede Verbesserung der Bedingungen erreicht also ungleich mehr Menschen.

Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Löhne, Einkäufe und Dienstleistungen zirkulieren vor Ort, statt als Konzerngewinn abzufließen. In vielen Abbauregionen ist der Kleinbergbau der größte Arbeitgeber und der wichtigste Geldkreislauf überhaupt.

Kleinbergbau lässt sich mit anderer Erwerbsarbeit verbinden. In den Anden ist es verbreitet, dass Familien saisonal zwischen Bergbau und Landwirtschaft wechseln. Solche Kombinationen machen Regionen widerstandsfähiger, weil das Einkommen nicht an einem einzigen Preis hängt.

Die Technik für sauberere Verfahren existiert bereits. Bessere Mahlfeinheit, Schleusen, Rütteltische, Retorten, Direktschmelze mit Borax und kontrollierte Zyanidanlagen sind erprobt und funktionieren im Kleinbergbau. Woran es fehlt, sind Kapital, Schulung und Aufsicht – nicht die Methode.

Und der Sektor misst inzwischen selbst, was er bewirkt. Die Alliance for Responsible Mining hat als erste Organisation ein Instrument entwickelt, das die Klimabilanz-Methodik des GHG Protocol auf die Verhältnisse im Kleinbergbau überträgt, und misst damit Emissionen einzelner Bergbauorganisationen über alle drei Scopes.40 Das ist bemerkenswert, weil der Sektor lange gar nicht erfasst wurde: Der World Gold Council hat ihn aus seiner eigenen Klimastudie ausdrücklich ausgeschlossen, mangels belastbarer Daten. Genau diese Lücke wird gerade geschlossen – und aus den Messungen folgen konkrete Maßnahmen: Photovoltaik, effizientere Motoren, Aufforstung.

Formalisierung wirkt, wo sie erreichbar ist. Mit legalem Status kommen Zugang zu Krediten, planbare Abnahme, messbare Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit, in Ausrüstung zu investieren statt nur den nächsten Tag zu überstehen. Und rückverfolgbares Gold erzielt deutlich bessere Preise als Material, dessen Herkunft niemand belegen kann.39

Entscheidend ist dabei der Abnehmer. Ein Kleinbergbau-Betrieb kann Sicherheit, Umweltschutz und Sozialstandards nur finanzieren, wenn jemand am anderen Ende der Kette bereit ist, dafür zu zahlen – verlässlich, über Jahre. Fragen nach Herkunft und Bedingungen sind deshalb kein moralisches Beiwerk, sondern das Signal, an dem sich vor Ort entscheidet, ob sich Veränderung rechnet.

Und dort, wo Einkommen planbar wird, verändert sich mehr als das Einkommen. Kinder gehen zur Schule, statt am Waschtrog zu stehen. Gesundheitsversorgung wird finanzierbar. Frauen rücken in Positionen mit Entscheidungsgewalt. Das ist keine Nebenwirkung des Bergbaus, sondern das, was nachhaltige Entwicklung im Kern ausmacht.

Was ihr mitnehmen solltet

  • Der Gold-Kleinbergbau ist klein bei der Fördermenge und riesig bei den Menschen. Rund 15 % des Weltgoldes, 90 bis 95 % der Beschäftigung im Goldbergbau, rund 100 Millionen Menschen, die davon leben – und je Kilogramm Gold rund hundertmal so viele Arbeitsplätze wie im Großbergbau.
  • Über den Schaden entscheidet die Methode, nicht die Betriebsgröße. Amalgamierung des gesamten Erzes und offenes Abbrennen richten ein Vielfaches des Schadens an wie saubere Anreicherung mit Retorte, Direktschmelze oder kontrollierter Zyanidierung – bei gleichem Endprodukt.
  • Die Probleme sind real und gravierend, und die Bergleute sind nicht ihre Ursache. Quecksilber in einem Ausmaß, das den Sektor zur größten menschengemachten Quelle weltweit macht, Gold als größter Einzeltreiber der bergbaubedingten Entwaldung, Kinderarbeit, Silikose, Schuldabhängigkeit. Die Menschen arbeiten unter diesen Bedingungen, weil es keine Alternative gibt, keine erreichbare Legalität und keinen Abnehmer, der nach der Herkunft fragt.
  • Richtig gemacht ist Kleinbergbau eines der wirksamsten Instrumente nachhaltiger Entwicklung, die der Rohstoffsektor kennt. Nirgendwo sonst erreicht ein Kilogramm Gold so viele Menschen. Genau deshalb entscheidet sich hier, ob Gold Schaden anrichtet oder Entwicklung trägt.

Jeder Einkauf ist eine Stimme für das eine oder das andere System. Wenn euer Gold belegte Herkunft und messbare Wirkung haben soll, schaut euch an, was wir vorrätig haben – oder fragt uns, was zu eurer Fertigung passt.

Weitere Leseempfehlungen

Quellen

  1. planetGOLD, An Introduction to ASGM (laufend) – World Gold Council, Artisanal and Small-Scale Gold Mining (laufend)
  2. IGF / IISD, Global Trends in Artisanal and Small-Scale Mining (ASM), 2018 – Beschäftigungsanteil im Goldbergbau S. 3; Regionalzahlen (Datenstand 2014, alle Rohstoffe) und Bevölkerungsanteile (2009); Zitat zur Armutsgetriebenheit des Sektors. Zum Anteil an der Fördermenge zusätzlich UNEP Global Mercury Partnership (12–15 %) und World Gold Council (bis zu 20 %). Originalwortlaut des Zitats: „is generally pursued as a route out of poverty or as an activity to complement insufficient income, especially in communities where alternative employment is hard to come by“. Übersetzung Fairever.
  3. OECD, Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains of Minerals from Conflict-Affected and High-Risk Areas, 3. Auflage 2016, Begriffsbestimmungen – Originalwortlaut: „formal or informal mining operations with predominantly simplified forms of exploration, extraction, processing and transportation. ASM is normally low capital intensive and uses high labour-intensive technology.“ Wortgleich zitiert von der LBMA und der Europäischen Kommission; Übersetzung Fairever.
  4. National Mining Association, Historical Gold Prices 1833 to Present (Jahresdurchschnitt 2001: 271 USD/oz)
  5. Fortune, Current price of gold: September 9, 2026
  6. ILO (1999), zitiert nach IGF / IISD 2018 – Weltbank, A new era of renewal in artisanal mining, 14.02.2025 (Zahlen gelten für den gesamten Kleinbergbau, nicht nur Gold.)
  7. Seccatore, Veiga, Origliasso, Marin, De Tomi, An estimation of the artisanal small-scale production of gold in the world, Science of the Total Environment, 2014 (Bezugsjahr 2011)
  8. Cheng, Watari, Seccatore, Nakajima, Nansai, Takaoka, A review of gold production, mercury consumption, and emission in artisanal and small-scale gold mining, Resources Policy 81, 2023, DOI 10.1016/j.resourpol.2023.103370
  9. UNEP Global Mercury Partnership, Artisanal and Small-Scale Gold Mining (ASGM) (laufend) – IGF, Transforming ASGM: Progress in Formalization, Februar 2025
  10. planetGOLD, Frequently Asked Questions, 2024
  11. World Gold Council / Metals Focus, Gold Demand Trends Full Year 2025 – Supply, 29.01.2026
  12. Eigene Berechnung auf Basis der Quellen 9, 10 und 11: 15–20 Mio. direkt Beschäftigte bei 500–600 t Jahresproduktion ergeben rund 25–40 Beschäftigte je Kilogramm Gold; für den industriellen Goldbergbau rund 1 Mio. Beschäftigte bei rund 3.100 t, also rund 0,3 je Kilogramm. Übereinstimmend Patrick Schein, How to decarbonize your gold supply chain, 13.11.2022, auf Basis von Daten des World Gold Council: „by using 1 kilogram of ASM gold you provide 100 times more jobs“.
  13. UNEP / Artisanal Gold Council, Reducing Mercury Use in Artisanal and Small-Scale Gold Mining: A Practical Guide, 2012).pdf
  14. S&P Global Market Intelligence, Greenhouse gas and gold mines: Nearly 1 tonne of CO2 equivalent emitted per ounce of gold produced in 2019, Auswertung zu Erzgehalten und Emissionen im Goldbergbau, Bezugsjahr 2019
  15. Nassar, Lederer, Brainard, Padilla, Lessard, Rock-to-Metal Ratio: A Foundational Metric for Understanding Mine Wastes, Environmental Science & Technology 56(10), 2022 – ergänzend Norgate & Haque, Journal of Cleaner Production 29–30, 2012. Die Angabe für den Kleinbergbau ist eine eigene Ableitung aus den Erzgehalten in Quelle 14.
  16. Nyamunda, Review of the Impact on Water Quality and Treatment Options of Cyanide Used in Gold Ore Processing, IntechOpen, 2017
  17. planetGOLD, Länderseiten Ecuador und Bolivia
  18. UNEP Global Mercury Partnership, Artisanal and Small-Scale Gold Mining (ASGM) (laufend)
  19. Telmer & Veiga, World emissions of mercury from artisanal and small scale gold mining, 2008
  20. Fritz, Peregovich, da Silva Tenório, da Silva Alves, Schmidt, Mercury and CO2 emissions from artisanal gold mining in Brazilian Amazon rainforest, Nature Sustainability 7, 2024 (47 Standorte im Tapajós-Becken)
  21. planetGOLD / Artisanal Gold Council, Best Management Practices for Cyanide Use in the Small-Scale Gold Mining Sector, Dezember 2021, S. 5 und S. 24 – Originalwortlaut: „CN use in the ASGM sector often occurs in the absence of critical safeguards and responsible management practices“ bzw. „poor monitoring and management of effluent by CN operators in the ASGM sector is widespread“. Übersetzung Fairever.
  22. Leung & Lu, Environmental Health and Safety Hazards of Indigenous Small-Scale Gold Mining Using Cyanidation in the Philippines, Environmental Health Insights 10, 2016, S. 125–131, DOI 10.4137/EHI.S38459 (34 untersuchte Kleinbergleute in Benguet)
  23. Zhang, Chen, An, Lin, Gong et al., Overlooked deforestation from global mining activities in the 21st century, Nature Communications 17:804, 21.12.2025
  24. MAAP (Monitoring of the Andean Amazon Project) #226, AI to detect Amazon gold mining deforestation – 2024 update, 04.05.2025
  25. MAAP #233, Current Situation of Gold Mining in the Peruvian Amazon, 29.09.2025
  26. Ulrich, Trench, Hagemann, Gold mining greenhouse gas emissions, abatement measures, and the impact of a carbon price, Journal of Cleaner Production 340, 2022 (194 Minen in 35 Ländern, Scope 1+2) – ergänzend World Gold Council, Gold and climate change: Current and future impacts, 2019.
  27. Internationale Arbeitsorganisation (ILO), Child Labour in Mining and Global Supply Chains, 2019
  28. Geenen, Stoop & Verpoorten, How much do artisanal miners earn? An inquiry among Congolese gold miners, Resources Policy, 2021, S. 12–13
  29. OECD, Illicit Financial Flows: Artisanal and Small-Scale Gold Mining in Ghana and Liberia, 2020, S. 31
  30. planetGOLD / The Impact Facility, Overcoming Practical Barriers for Integrating Responsible ASM Gold into International Supply Chains, September 2022, S. 5 und S. 30–31. Originalwortlaut des Zitats: „many still have a policy to not receive ASM gold“. Übersetzung Fairever.
  31. IPIS, Analysis of the interactive map of artisanal mining areas in eastern DRC – 2023 update, Antwerpen, 2023 (Erhebung Juni 2021 bis Juni 2023, 829 Standorte, rund 132.320 Bergleute)
  32. SWISSAID, On the trail of African gold, 30.05.2024 (54 Länder, Datenreihe 2012 bis 2022)
  33. IUCN NL, Recycled but not responsible: loopholes in recycled gold from the Amazon, 07.05.2025
  34. Environmental Investigation Agency (EIA), Traffickers Leave No Stone Unturned, 24.07.2025, zitiert nach IPEN
  35. Fairmined Standard for Gold from Artisanal and Small-Scale Mining, Version 2.0 (2014), Abschnitt 2.1 Intent, S. 26. Originalwortlaut des Zitats: „95% of all artisanal miners would be excluded from the development opportunity of Fairmined“. Übersetzung Fairever.
  36. London Bullion Market Association (LBMA), Towards an LBMA Good Delivery List for Artisanal and Small-Scale Responsibly Mined Gold, Oktober 2022 (Datenbasis 2020/21). Originalwortlaut der Zitate: „a trend among GDL refiners to 'de-risk', by declining to refine ASM gold“ bzw. „most ASM gold will enter international markets via the paths of least resistance“. Übersetzung Fairever.
  37. Metalor, Metalor to stop all artisanal mining and mine collectors business, 17.06.2019. Originalwortlaut des Zitats: „the on-going complexity in the supply chain“. Übersetzung Fairever.
  38. Stoop, Verpoorten, van der Windt, More legislation, more violence? The impact of Dodd-Frank in the DRC, PLOS ONE, 2018, DOI 10.1371/journal.pone.0201783. Originalwortlaut des Zitats: „a de facto ban on artisanal mining that deprived hundreds of thousands of artisanal mining communities from their livelihoods“. Übersetzung Fairever.
  39. ECDPM, Artisanal gold mining in DRC: time to get down to earth, Discussion Paper 223, Karim Karaki, März 2018, S. 3 und S. 12
  40. Alliance for Responsible Mining, Carbon Footprint in Artisanal and Small-scale Mining (ASM), 05.05.2024 (GHG Protocol, alle drei Scopes, fünf Betriebe in Kolumbien und Peru)
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