Ist Fairtrade wirklich „fair“?

Was Studien über Fairtrade sagen – und warum Gold der stärkste Beleg ist

Ist Fairtrade wirklich fair? Im Großen und Ganzen ja: Unabhängige Studien zeigen, dass zertifizierte Bauernfamilien bessere Preise und höhere Einkommen erzielen, auch wenn Fairtrade nicht jedes Problem löst. Bei Gold wirkt das Modell besonders direkt: mit einem Preis, der an den Weltmarkt gekoppelt ist, einer Prämie, über die die Bergleute selbst entscheiden, und gesiegeltem Gold, das bis zur Mine rückverfolgbar ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist Fairtrade wirklich fair? Gemessen am Status quo: überwiegend ja. Eine Meta-Analyse von 97 Studien zeigt für Betriebe, die nach Nachhaltigkeitsstandards wie Fairtrade zertifiziert sind, 20–30 % höhere Preise und 16–22 % höhere Haushaltseinkommen.
  • Fairtrade wirkt am besten bei organisierten Produzent:innen. Mindestpreis, Prämie und demokratische Organisation stärken Kooperativen. Landarbeiter:innen profitieren deutlich weniger, und viel zertifizierte Ware wird weiterhin außerhalb von Fairtrade verkauft.
  • Fairtrade Gold ist der stärkste Beleg für das Modell. Die Bergleute erhalten mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises plus 2.000 US-Dollar je Kilogramm, und Gold mit Fairtrade-Siegel muss physisch bis zur Mine rückverfolgbar sein.
  • Der Engpass ist die Nachfrage. 2024 wurden nur 1.284 von 2.687 Kilogramm zertifiziertem Gold zu Fairtrade-Bedingungen verkauft. Je öfter Käufer:innen nach Fairtrade Gold fragen, desto mehr davon kann seine Wirkung entfalten.

Ist Fairtrade wirklich fair? Die kurze Antwort

Im Großen und Ganzen ja. Fairtrade schafft keine perfekten Verhältnisse über Nacht, und das behauptet Fairtrade auch nicht. Das Ziel ist, den Handel fairer zu machen, als er sonst wäre. Daran gemessen spricht die Studienlage für Fairtrade.

Eine Meta-Analyse von 97 Studien der Agrarökonomin Eva-Marie Meemken kommt zu dem Ergebnis: Betriebe, die nach Nachhaltigkeitsstandards wie Fairtrade oder Bio zertifiziert sind, erzielen 20–30 % höhere Preise als vergleichbare Betriebe ohne Zertifizierung. Ihre Haushaltseinkommen liegen 16–22 % höher.1 Die Ökonom:innen Raluca Dragusanu, Daniele Giovannucci und Nathan Nunn, die die Forschung zum fairen Handel ausgewertet haben, kommen zu einem ähnlichen Urteil: Der faire Handel „erreicht viele seiner Ziele, wenn auch in einem vergleichsweise bescheidenen Umfang, gemessen an der Größe der Volkswirtschaften“.2

Ist Fairtrade also gut? Ein Wundermittel ist es nicht, aber eine messbare Verbesserung gegenüber dem Status quo. Der Rest dieses Artikels zeigt, woher diese Verbesserung kommt, wo sie endet und warum Gold der stärkste Beleg für Fairtrade ist.

Was „fair“ bei Fairtrade bedeutet

„Fair“ ist bei Fairtrade kein Gefühl, sondern ein Regelwerk. Fairtrade International schreibt die Standards, die unabhängige Zertifizierungsstelle FLOCERT prüft sie, und Produkte, die sie erfüllen, dürfen das Fairtrade-Siegel tragen. Vier Instrumente tragen das System:

  • Fairtrade Mindestpreis: eine Untergrenze, die die durchschnittlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion decken soll. Liegt der Marktpreis höher, erhalten die Produzent:innen den Marktpreis.3
  • Fairtrade Prämie: ein zusätzlicher Betrag, der auf den Verkaufspreis aufgeschlagen wird und den die Produzent:innen in Projekte ihrer Wahl investieren.3 2024 waren das 201,6 Millionen Euro.4
  • Fairtrade Standards: Anforderungen, die Produzent:innen und die Unternehmen, die bei ihnen einkaufen, erfüllen müssen – von den Arbeitsbedingungen bis zur demokratischen Organisation.3
  • Unabhängige Audits: FLOCERT prüft Produzent:innen und Händler vor Ort, führt vertrauliche Gespräche mit Beschäftigten und Mitgliedern und kann auch unangekündigt prüfen.5

Hinter diesen Instrumenten steht die Wirkungslogik von Fairtrade, die „Theory of Change“. Sie beschreibt fünf Wirkungspfade, von wirtschaftlichen Verbesserungen und stärkeren Produzentenorganisationen bis zu fairen, nachhaltigen Kaufentscheidungen am Markt. Fairtrade geht dabei offen mit den eigenen Grenzen um: Fairtrade „trägt zu diesen Zielen bei, kann aber nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden, sie zu erreichen“.6 Wer im System was tut, erklären wir in Das Fairtrade-System erklärt.

Funktioniert Fairtrade wirklich? Was Studien zeigen

Funktioniert Fairtrade wirklich? Für organisierte Produzent:innen ja – am deutlichsten bei den Preisen und bei stärkeren Kooperativen. Eine systematische Übersichtsarbeit über 179 Studien unter Leitung von Carlos Oya von der SOAS University of London fand höhere Preise für zertifizierte Bauernfamilien.7 Meemkens Meta-Analyse bestätigt das und ergänzt eine wichtige Erkenntnis: Kontextfaktoren wie die Organisation der Lieferkette spielen eine entscheidende Rolle.1

Manche der dauerhaftesten Effekte gehen über das Einkommen hinaus. Eine sorgfältig abgeglichene Studie mit Kaffeeproduzent:innen in Peru fand „nur moderate direkte Effekte auf Einkommen und Produktion, aber deutliche Veränderungen bei Organisation, Einsatz von Betriebsmitteln, Wohlstand und Vermögen sowie bei den Risikoeinstellungen“.8 Starke Kooperativen können verhandeln, investieren und Märkte erreichen, die kein einzelner Betrieb allein erreichen würde.

Auch die Beschäftigten der Kooperativen profitieren. Eine Studie zum Kakaoanbau in Côte d'Ivoire, erschienen in Nature Sustainability, kommt zu dem Schluss: „Fairtrade verbessert die Löhne und verringert die Armut unter den Beschäftigten der Kooperativen.“9 Dieselbe Studie zeigt auch die größte Schwachstelle des Modells.

Wo Fairtrade an Grenzen stößt

Fairtrades größte Schwachstelle sind die Lohnarbeiter:innen auf den Farmen. Die Studie aus Côte d'Ivoire fand für sie keine solchen Verbesserungen – „obwohl gerade sie besonders benachteiligt sind“.9

Ein Forschungsteam der SOAS konnte in den untersuchten Regionen Äthiopiens und Ugandas „keinerlei Belege dafür finden, dass Fairtrade die Löhne und Arbeitsbedingungen“ der Beschäftigten „positiv verändert hat“.10 Auch die Übersichtsarbeit von Oya stellt fest: „Die Löhne der Beschäftigten scheinen von Zertifizierungssystemen nicht zu profitieren.“7

Das zweite Problem ist die Nachfrage. Produzent:innen können nur einen Teil ihrer zertifizierten Ernte zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen. 2024 lag dieser Anteil bei rund 27 % für Kaffee und 47 % für Kakao.11 Der Rest wird außerhalb von Fairtrade verkauft, ohne Mindestpreis und Prämie. Rechnet man diese nicht abgesetzte zertifizierte Ware mit ein, liegt der „erwartete Nutzen für die Produzenten nahe null“, so die Ökonom:innen Alain de Janvry, Craig McIntosh und Elisabeth Sadoulet über einen Verband von Kaffeekooperativen in Mittelamerika.12

Kritiker:innen bemängeln außerdem, dass vom Aufpreis der Verbraucher:innen wenig bei den Bauernfamilien ankommt. Für Kaffee schätzt die Ökonomin Helene Naegele: „Der Kaffeebauer erhält etwa ein Fünftel des Aufpreises, den der Verbraucher zahlt.“13 Fairtrades Antwort: Der Ladenpreis „wird allein vom Einzelhandel bestimmt“; garantiert werden der Preis und die Prämie für die Produzent:innen.14

Nichts davon heißt, dass Fairtrade scheitert. Es zeigt, wo das Modell wachsen muss – und warum es zu manchen Produkten besser passt als zu anderen.

Ist Fairtrade Gold wirklich fair?

Von allen Fairtrade-Produkten ist Gold womöglich der stärkste Beleg für das Modell. Die Forschung zeigt: Fairtrade wirkt am besten, wo Produzent:innen organisiert sind und zertifizierte Ware zu Fairtrade-Bedingungen Abnehmer findet. Fairtrade zertifiziert Gold ausschließlich von Organisationen aus dem Kleinbergbau.15

Genau dort arbeiten die meisten Menschen im Goldbergbau: Der Kleinbergbau stellt rund 90 % aller Arbeitsplätze im Goldbergbau, fördert aber nur 15–20 % des Goldes.16 Unser Überblick zum Gold-Kleinbergbau (ASM) beschreibt den Sektor ausführlich.

Ein Preis, auf den Bergleute zählen können

Bei Gold ist der Mindestpreis an den Weltmarkt gekoppelt. Die Minen erhalten für den Feingoldgehalt mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises, ab Export-Flughafen – also des internationalen Referenzpreises, der in London festgelegt wird.15 Für gewaschenen Arabica-Kaffee dagegen liegt der Fairtrade Mindestpreis fest bei 1,80 US-Dollar je Pfund (lb, rund 454 Gramm).17 Die Preisuntergrenze für Gold bewegt sich mit dem Markt und hält so immer Schritt.

Das ist wichtig, denn Kleinbergleute verkaufen oft weit unter diesem Referenzpreis. In Burkina Faso erhalten Bergleute, die kleine Mengen direkt an der Mine verkaufen, 85–87 % des LBMA-Preises, während Exporteure im selben Land 97 % bekommen – so eine Studie von planetGOLD.18 Bei einem so wertvollen Metall zählt jeder Prozentpunkt.

Wir bei Fairever gehen weiter: Wir zahlen den Minen freiwillig 96–99 % des LBMA-Goldpreises statt der vorgeschriebenen 95 %.19

Eine Prämie in der Hand der Bergleute

Zusätzlich zum Preis erhalten die Bergleute eine Fairtrade Prämie von 2.000 US-Dollar je Kilogramm Gold, die in voller Höhe an ihre Organisation fließt.15 Ein gewähltes Prämienkomitee, das alle Gruppen von Bergleuten und Beschäftigten nach Zahl und Geschlecht widerspiegelt, erstellt einen Entwicklungsplan, und die Generalversammlung stimmt darüber ab. Das Geld liegt auf einem eigenen Bankkonto, für das eine Unterschrift aus dem Komitee und eine aus der Bergbau-Organisation nötig sind.15

In absoluten Zahlen kommt einiges zusammen. Bei CECOMSAP, einem Dachverband von zehn Bergbau-Kooperativen in Ananea (Peru), brachten allein die Goldverkäufe in der Schweiz im Jahr 2021 1,3 Millionen Schweizer Franken an Fairtrade Prämie ein.20 Die Kooperativen haben damit Schutzkleidung, einen Speisesaal für die Bergleute, Wasseraufbereitung und Computer für Schulen finanziert – und Rütteltische, die das Quecksilber ersetzt haben.202122 Die ganze Geschichte steht in unserem Profil der CECOMSAP-Goldmine in Peru.

Für einen einzelnen Ring ist der Betrag überschaubar: Ein Ehering mit 8 Gramm Gesamtgewicht in 750er Gold (18 Karat) enthält 6 Gramm Feingold und bringt 12 US-Dollar Fairtrade Prämie.23 Über die gesamte Fördermenge einer Mine finanziert sie Projekte, die sich einzelne Bergleute nie leisten könnten.

Keine Vermischung, kein Mengenausgleich

Gold mit Fairtrade-Siegel muss physisch von der Mine bis zum fertigen Produkt rückverfolgbar sein. Es bleibt auf jeder Stufe von nicht zertifiziertem Gold getrennt, und jedes Unternehmen, das es auf dem Weg zum gesiegelten Produkt bearbeitet, muss zertifiziert sein.15 Das unterscheidet Gold von Kakao, Tee, Fruchtsaft und Zucker. Dort erlaubt Fairtrade den Mengenausgleich (Mass Balance): Unternehmen dürfen dann Fairtrade- und Nicht-Fairtrade-Mengen vermischen, solange die zu Fairtrade-Bedingungen verkauften Mengen erfasst und geprüft werden.24

Die physische Rückverfolgbarkeit beantwortet einen der häufigsten Zweifel an Fairtrade: Stammt das Produkt wirklich von zertifizierten Produzent:innen? Bei gesiegeltem Fairtrade Gold lautet die Antwort ja. Wir gehen noch einen Schritt weiter und nennen auf jedem Fairever-Etikett die Herkunftsmine und ihre FLO-ID, also die Fairtrade-Identifikationsnummer der Mine.19 Unser Artikel Was ist Fairtrade Gold? verfolgt den Weg des Goldes von der Mine bis zum Markt.

Regeln, die mit der Mine wachsen

Der Fairtrade Gold Standard verlangt keine Perfektion vom ersten Tag an – er setzt Fristen. Manche Anforderungen gelten ab dem ersten Audit, andere nach einem, drei oder sechs Jahren, und Entwicklungsanforderungen messen den Fortschritt über die Zeit.15 Zwei Bereiche zeigen, wie das in der Praxis funktioniert:

  • Beschäftigte: Alle Beschäftigten haben ab dem ersten Audit das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten. Organisationen und Mitglieder mit mehr als 20 Beschäftigten müssen mindestens den regionalen Durchschnittslohn oder den offiziellen Mindestlohn zahlen, je nachdem, welcher höher ist, und die Löhne regelmäßig anheben – mit einem existenzsichernden Lohn als Ziel.15
  • Quecksilber: Ab dem dritten Jahr der Zertifizierung dürfen Minen kein Quecksilber einsetzen, wenn sich das Gold wirtschaftlich und technisch auch ohne gewinnen lässt.15 Bei CECOMSAP gewinnen alle zehn Kooperativen ihr Gold seit 2023 ohne Quecksilber, auf schwerkraftbasierten Rütteltischen.19 Ein gesetzliches Quecksilberverbot für den Kleinbergbau gibt es in Peru bis heute nicht.25 Der Anstoß kam vom Standard.

Ab Juli 2027 gilt ein überarbeiteter Standard. Er bezieht auch Familien- und Einzelbetriebe im Bergbau ein und stärkt Arbeitsschutz und Quecksilber-Ausstieg.26 Die Regeln im Detail: Der Fairtrade Gold Standard.

Die ehrlichen Grenzen

Fairtrade Gold ist noch selten. 2024 wurden 1.284 Kilogramm zu Fairtrade-Bedingungen verkauft, rund 0,035 % des weltweit in diesem Jahr geförderten Goldes.427 Das war weniger als die Hälfte dessen, was zertifizierte Minen produziert hatten: Von 2.687 Kilogramm fanden 48 % einen Fairtrade-Abnehmer. 2023 lag der Anteil noch bei 99 %.42829 Mit dem geringeren Absatz sank die an die Bergleute gezahlte Prämie von 3,13 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 2,37 Millionen Euro im Jahr 2024.428

Der Engpass ist die Nachfrage, nicht das Angebot. Zertifizierte Minen können mehr Gold liefern, als derzeit abgenommen wird. Jedes zusätzliche Kilogramm, das zu Fairtrade-Bedingungen verkauft wird, bringt den Bergleuten den vollen Fairtrade-Preis und die Prämie.

Zwei weitere Grenzen gehören dazu. Fairtrade erreicht organisierte Bergbau-Gruppen, nicht die am stärksten benachteiligten Bergleute – das stellte die Forscherin Eleanor Fisher fest, als Fairtrade sein Goldprogramm auf Ostafrika ausweitete.30 Dass der neue Standard sich für Familienbetriebe öffnet, ist ein Schritt, mehr von ihnen zu erreichen.

Uns ist keine unabhängige Studie bekannt, die die Wirkung von Fairtrade Gold in Zahlen gemessen hat. Was wir wissen, stammt aus dem Standard, den Audits und den dokumentierten Prämienprojekten in Minen wie CECOMSAP.

FAQs: Ist Fairtrade wirklich „fair“?

Ist Fairtrade wirklich fair?

Im Großen und Ganzen ja. Unabhängige Studien zeigen, dass Betriebe, die nach Standards wie Fairtrade zertifiziert sind, höhere Preise und Einkommen erzielen als vergleichbare Betriebe ohne Zertifizierung. Fairtrade löst nicht jedes Problem, und Landarbeiter:innen profitieren deutlich weniger, aber es verbessert den konventionellen Handel messbar.

Ist Fairtrade wirklich gut für Bauernfamilien?

Für Bauernfamilien in Kooperativen ist die Studienlage überwiegend positiv. Eine Meta-Analyse von 97 Studien fand unter Nachhaltigkeitsstandards wie Fairtrade 20–30 % höhere Preise und 16–22 % höhere Haushaltseinkommen. Wie groß der Gewinn ausfällt, hängt davon ab, wie viel der Ernte zu Fairtrade-Bedingungen verkauft wird.

Funktioniert Fairtrade wirklich für Beschäftigte?

Weniger eindeutig. Die Beschäftigten von Kooperativen profitieren, für Lohnarbeiter:innen auf den Farmen fanden Studien aber kaum oder keinen Nutzen. Bei Gold garantiert der Fairtrade Gold Standard allen Beschäftigten das Recht auf Gewerkschaftsbeitritt und setzt Mindestlohnregeln für Organisationen mit mehr als 20 Beschäftigten.

Was sind die wichtigsten Kritikpunkte an Fairtrade?

Kritiker:innen verweisen auf die geringen Verbesserungen für Lohnarbeiter:innen, auf zertifizierte Ware, die nicht zu Fairtrade-Bedingungen verkauft werden kann, und auf den kleinen Anteil des Ladenpreises, der bei den Bauernfamilien ankommt. Bei Kakao, Tee, Fruchtsaft und Zucker kritisieren sie zudem den Mengenausgleich, der das Vermischen von Fairtrade- und Nicht-Fairtrade-Mengen erlaubt.

Wie viel erhalten Bergleute für Fairtrade Gold?

Mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises für den Feingoldgehalt, plus eine Fairtrade Prämie von 2.000 US-Dollar je Kilogramm. Über die Verwendung der Prämie entscheidet ein gewähltes Komitee aus Bergleuten und Beschäftigten. Fairever zahlt freiwillig 96–99 % des LBMA-Goldpreises.

Ist Fairtrade Gold rückverfolgbar?

Ja. Gold mit Fairtrade-Siegel muss physisch von der Mine bis zum Produkt rückverfolgbar sein und von nicht zertifiziertem Gold getrennt bleiben. Ein Mengenausgleich findet nicht statt. Auf Fairever-Etiketten stehen zudem die Herkunftsmine und ihre FLO-ID.

Warum wird so wenig Fairtrade Gold verkauft?

Weil die Nachfrage noch gering ist. 2024 produzierten zertifizierte Minen 2.687 Kilogramm Gold, aber nur 1.284 Kilogramm wurden zu Fairtrade-Bedingungen verkauft. Mehr Käufer:innen, die gezielt nach Fairtrade Gold fragen, sind der schnellste Weg, das zu ändern.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

In aller Kürze ...

  • Ist Fairtrade wirklich fair? Im Großen und Ganzen ja. Fairtrade schafft keine perfekten Verhältnisse, aber Studien zeigen bessere Preise, höhere Einkommen und stärkere Kooperativen als im konventionellen Handel.
  • Fairtrade ist nur so stark wie seine Käufer:innen. Zertifizierte Ware ohne Fairtrade-Abnehmer bekommt keinen Fairtrade-Preis, und Lohnarbeiter:innen auf den Farmen profitieren noch zu wenig.
  • Bei Gold wirkt der Mechanismus besonders direkt. Der Mindestpreis ist an den LBMA-Goldpreis gekoppelt, das Komitee der Bergleute verfügt über die Prämie, und Gold mit Fairtrade-Siegel ist physisch bis zur Mine rückverfolgbar.
  • Jedes Kilogramm zu Fairtrade-Bedingungen zählt. Zertifizierte Minen haben 2024 doppelt so viel Gold produziert, wie Käufer:innen zu Fairtrade-Bedingungen abgenommen haben. Fragt euren Lieferanten nach Fairtrade Gold – und nach der Mine dahinter.

Werdet aktiv, seid der Wandel!

Zertifizierte Minen können mehr Fairtrade Gold liefern. Wenn eure nächste Kollektion oder eure nächste Geldanlage den Bergleuten mindestens 95 % des Goldpreises plus Fairtrade Prämie bringen soll, schaut euch unsere Produkte aus Fairtrade Gold an – von Granalien und Blech bis zu Goldbarren.

Weitere Leseempfehlungen

Quellen

  1. Eva-Marie Meemken, Do smallholder farmers benefit from sustainability standards? A systematic review and meta-analysis, Global Food Security 26, 100373, 2020. ↩ ↩
  2. Raluca Dragusanu, Daniele Giovannucci und Nathan Nunn, The Economics of Fair Trade, NBER Working Paper 20357, 2014. Wir zitieren das Arbeitspapier; der Artikel erschien später im Journal of Economic Perspectives 28(3), 2014. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „does achieve many of its intended goals, although on a comparatively modest scale relative to the size of national economies“. ↩
  3. Fairtrade International, FAQ, abgerufen im September 2026. ↩ ↩ ↩
  4. Fairtrade International, Monitoring the Scope and Benefits of Fairtrade, 17th edition, 2026 (Daten für 2024), S. 13, 15 und 18. ↩ ↩ ↩ ↩
  5. FLOCERT, How to join Fairtrade, abgerufen im September 2026. ↩
  6. Fairtrade International, Theory of Change, abgerufen im September 2026. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „contributes to these goals but cannot be solely accountable for achieving them“. ↩
  7. Carlos Oya, Florian Schaefer und Dafni Skalidou, The effectiveness of agricultural certification in developing countries: A systematic review, World Development 112, 2018, S. 282–312. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „workers' wages do not seem to benefit from the presence of CS“ (CS = certification systems). ↩ ↩
  8. Ruerd Ruben und Ricardo Fort, The Impact of Fair Trade Certification for Coffee Farmers in Peru, World Development 40(3), 2012, S. 570–582. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „only modest direct income and production effects, but significant changes in organization, input use, wealth and assets, and risk attitudes“. ↩
  9. Eva-Marie Meemken, Jorge Sellare, Christophe N. Kouame und Matin Qaim, Effects of Fairtrade on the livelihoods of poor rural workers, Nature Sustainability 2, 2019. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „Fairtrade improves wages and reduces poverty among cooperative workers, but not among farm workers, even though the latter are particularly deprived.“ ↩ ↩
  10. Christopher Cramer, Deborah Johnston, Carlos Oya und John Sender, Fairtrade, Employment and Poverty Reduction in Ethiopia and Uganda, Abschlussbericht, SOAS University of London, Mai 2014, S. 15. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „unable to find any evidence that Fairtrade has made a positive difference to the wages and working conditions“. ↩
  11. Eigene Berechnung aus dem Monitoring Report für 2024 (Fußnote 4): Kaffee 142.413 Tonnen zu Fairtrade-Bedingungen verkauft ÷ 525.547 Tonnen zertifizierte Produktion × 100 ≈ 27 %; Kakao 334.529 Tonnen ÷ 707.552 Tonnen × 100 ≈ 47 %. ↩
  12. Alain de Janvry, Craig McIntosh und Elisabeth Sadoulet, Fair Trade and Free Entry: Can a Disequilibrium Market Serve as a Development Tool?, Review of Economics and Statistics 97(3), 2015, S. 567–573. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „expected producer benefits are close to 0“. ↩
  13. Helene Naegele, Where Does the Fairtrade Money Go? How Much Consumers Pay Extra for Fairtrade Coffee and How This Value Is Split along the Value Chain, DIW Berlin Discussion Paper 1783, 2019. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „The coffee farmer receives about a fifth of the price premium paid by the consumer“. ↩
  14. Fairtrade America, 5 things people get wrong about Fairtrade, 26. August 2016. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „The retail price you pay as a consumer is determined entirely by the retailer.“ ↩
  15. Fairtrade International, Fairtrade Standard for Gold and Associated Precious Metals for Artisanal and Small-Scale Mining, Version 1.2, November 2013 (gültig bis 30. Juni 2027), Einleitung, Kapitel 2 (Geltungsbereich) und Anforderungen 2.1.7, 2.1.8, 3.2.1, 3.3.22, 3.3.27, 3.3.40, 4.1.1, 4.1.3, 4.1.4, 4.1.10, 4.5.1, 4.5.3 und 4.5.5. ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
  16. IGF / IISD, Global Trends in Artisanal and Small-Scale Mining (ASM), 2018, S. 3; World Gold Council, Artisanal and Small-Scale Gold Mining, abgerufen im September 2026. ↩
  17. Fairtrade International, Fairtrade Minimum Price and Premium Table, Fassung vom 24. September 2025. Umrechnung: 1 Pfund (lb) = 453,59 Gramm. ↩
  18. planetGOLD / The Impact Facility, Overcoming Practical Barriers for Integrating Responsible Artisanal & Small-Scale Mined Gold into International Supply Chains, September 2022, S. 31. ↩
  19. Fairever, eigene Information, September 2026. ↩ ↩ ↩
  20. Hildegard Willer, Faires Gold für die „Bärreli“, Welt-Sichten, 26. August 2022. ↩ ↩
  21. Patrick Steinemann, Fairtrade Gold: Fairness, die allen dient, Magazin „ZH“ 3/2022, Zürcher Kantonalbank. ↩
  22. Fairtrade International, The gold mining organisation Halcon de Oro, abgerufen im September 2026. ↩
  23. Eigene Berechnung: Ein Ring mit 8 Gramm Gesamtgewicht in 750er Gold (18 Karat) enthält 8 × 0,75 = 6 Gramm Feingold; 6 Gramm × 2.000 US-Dollar je Kilogramm ÷ 1.000 = 12 US-Dollar. ↩
  24. Fairtrade International, Traceability in Fairtrade supply chains, abgerufen im September 2026. ↩
  25. Kongress der Republik Peru, Aprueban dictamen que establece marco normativo para eliminar progresivamente uso de mercurio en la minería artesanal, 17. März 2026. ↩
  26. Fairtrade International, Announcement: Revised Fairtrade Standard for Gold and Associated Precious Metals, 25. Juni 2026. ↩
  27. Eigene Berechnung: 1.284 kg (Fußnote 4) ÷ 3.661.000 kg weltweite Minenproduktion 2024 (World Gold Council, Gold Demand Trends Full Year 2024: Supply, 2025) × 100 ≈ 0,035 %. Verkaufsjahr und Förderjahr stimmen nicht immer überein. ↩
  28. Fairtrade International, Monitoring the Scope and Benefits of Fairtrade, 16th edition, 2025 (Daten für 2023), S. 13, 15 und 18. ↩ ↩
  29. Eigene Berechnung: 2024: 1.284 kg zu Fairtrade-Bedingungen verkauft ÷ 2.687 kg zertifizierte Produktion × 100 ≈ 48 % (Fußnote 4); 2023: 1.646 kg ÷ 1.668 kg × 100 ≈ 99 % (Fußnote 28). ↩
  30. Eleanor Fisher, Solidarities at a distance: Extending Fairtrade gold to east Africa, The Extractive Industries and Society 5(1), Januar 2018. ↩
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