Warum „normales“ Recycling-Gold keine Lösung ist

Was Recycling-Gold leistet – und was nicht

Recycling-Gold klingt nachhaltig. Aber hält es, was es verspricht? Nicht immer – denn hinter dem Begriff verstecken sich sehr unterschiedliche Materialien mit völlig unterschiedlicher Wirkung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Recycling-Gold ist kein geschützter Begriff. Ohne klare Standards kann es von echtem Altschmuck bis zu frisch abgebautem Gold reichen – die Unterschiede sind enorm.
  • Konventionelles Recycling-Gold beantwortet fünf zentrale Fragen nicht: Woher stammt es wirklich? Unter welchen Bedingungen wurde es abgebaut? Reduziert es tatsächlich Bergbau? Hat es sozialen Impact? Ist es wirklich klimafreundlicher?
  • Die Quelle entscheidet. Post-Consumer Gold (von Endnutzern) schließt den Kreislauf. Pre-Consumer Material (Produktionsabfälle) und Investment-Gold (eingeschmolzene Barren) tun das nicht.
  • Standards schaffen Klarheit. RJC Chain of Custody und SCS-103 bieten die Möglichkeit, zwischen echtem Post-Consumer Gold und anderen Kategorien zu unterscheiden – bislang nutzt das nur kaum einer.
  • Bei Fairever bekommt ihr garantiert Post-Consumer Recycling-Gold. 100% von Endnutzern, geprüft auf 999,9‰ Reinheit, ohne Pre-Consumer- oder Investment-Material.

Die 5 wichtigsten Fragen zu Recycling-Gold

1. Ist Recycling-Gold wirklich recycelt?

Der Begriff „Recycling“ suggeriert normalerweise, dass Materialien wiederverwendet werden, die wirklich „Abfall“ oder „Müll“ sind und für die finale Entsorgung z.B. in einer Müllverbrennungsanlage oder auf einer Deponie gedacht sind. Im Goldmarkt wird der Begriff jedoch großzügig ausgelegt.

Recycling-Gold besteht häufig aus Gold, das in seiner bisherigen Form oder mit geringem Aufwand noch gut nutzbar wäre.

Typische Quellen:

  • Goldbarren und Münzen
  • Schmuckprodukte
  • Produktionsabfälle aus der Schmuckherstellung

 

Diese werden von Raffinerien eingekauft, eingeschmolzen und als „ethisch unbedenklich“, „umweltfreundlich“ und „klimaneutral“ vermarktet.

Das Problem: Nicht alles hatte wirklich ein vollständiges Leben als Produkt hinter sich. Produktionsabfälle aus der Schmuckherstellung – Verschnitt, Feilspäne, Gussreste – werden oft ebenfalls als Recycling-Gold bezeichnet.

Das ist, als würdet ihr Keksteig ausrollen, Kekse ausstechen und die Teigreste als „recycelt“ bezeichnen. Niemand würde das so nennen – bei Gold passiert es trotzdem.

2. Wo und unter welchen Bedingungen wurde Recycling-Gold abgebaut?

Die meisten Händler und Raffinerien geben die Herkunft von Recycling-Gold nicht an. Oft ist der Ursprung gar nicht ermittelbar – oder, schlimmer noch, wird bewusst verschleiert. Ohne Rückverfolgbarkeit wisst ihr nicht, ob das Gold aus verantwortungsvollen Quellen stammt.

In einigen Fällen gelangt Gold aus illegalen Quellen über Umwege in den regulären Edelmetallhandel und wird als Recycling-Gold verkauft.

Studie: Gold aus Dubai ist oft Blutgold

Eine Untersuchung der Schweizer NGO SWISSAID (2020) zeigt:

  • Ein großer Teil des über die Schweiz nach Deutschland verkauften Recycling-Goldes stammt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
  • Kontrollen in Dubai zur Herkunft sind nachweislich unzureichend.
  • Beispiel: Gold aus dem Kongo wird über Frankreich importiert, dann gilt Frankreich als „Herkunftsland“.

Fazit der Studie: Illegales Gold aus Konfliktgebieten gelangt problemlos in den internationalen Goldhandel.

Zur vollständigen SWISSAID-Studie

3. Ist Recycling-Gold klimaneutral und umweltfreundlich?

Recycling-Gold wird häufig als besonders umweltfreundlich vermarktet. Was dabei verschwiegen wird: Auch Recycling-Gold wurde abgebaut – möglicherweise erst vor wenigen Wochen. Wie und unter welchen Bedingungen dieser Abbau erfolgte, weiß niemand.

War der Goldabbau ökologisch und sozial verantwortungsvoll? Niemand weiß es.

Hinzu kommt: Gold wird seit jeher zu nahezu 100% wiederverwendet. Gold ist kein Plastik oder Pappe – es wird praktisch nie weggeworfen. Recycling-Gold als „klimafreundliche Alternative“ zu bezeichnen, ist deshalb irreführend: Das Gold wäre ohnehin recycelt worden.

Zwei häufige Argumente und warum sie nicht stimmen:

Argument 1: „Keine langen Transportwege“ Das Altgold, das für Recycling-Gold verwendet wird, hat dieselben Transportwege hinter sich wie neu abgebautes Gold. Der Unterschied: Die Transporte erfolgten zu einem früheren Zeitpunkt. Die Umweltbilanz dieser Transporte bleibt jedoch dieselbe.

Argument 2: „Geringerer Energieaufwand“ Die technischen Prozesse in Scheideanstalten haben einen hohen Energieverbrauch. Der Raffinationsprozess selbst (Königswasser, Elektrolyse) verbraucht ähnlich viel Energie – egal ob das Gold aus einer Mine oder aus Altschmuck kommt.

Der entscheidende Unterschied liegt davor: Bei Minengold müssen vorher TONNEN Gestein gesprengt, abtransportiert und aufbereitet werden. Dieser Bergbau-Prozess macht über 99 Prozent des CO2-Fußabdrucks aus. Bei Recycling-Gold wurde dieser Schritt bereits in der Vergangenheit durchlaufen – die Emissionen sind aber nicht verschwunden.

Das Ergebnis: Der CO2-Fußabdruck von Recycling-Gold liegt auf dem Papier (wenn man die zuvor im Bergbau entstandenen Emissionen ignoriert) bei etwa 30-50 kg pro Kilogramm Gold. Bei Minengold sind es rund 30.000 kg – also das 600-fache.

Diese Rechnung funktioniert allerdings nur, wenn man die Emissionen des ursprünglichen Abbaus buchhalterisch auf Null setzt (sogenannter „Cut-off-Ansatz“). Der CO2-Rucksack aus dem Bergbau verschwindet durch die Raffination nicht – er wird nur nicht mehr mitgezählt. Und jede Wiederaufbereitung erhöht den gesamten CO2-Fußabdruck von Gold sogar noch weiter.

Merke: Durch die Verwendung von Recycling-Gold wird kein CO2 eingespart, denn die Wiederverwertung von Gold führt nicht zu weniger Goldabbau. Und genau das macht den entscheidenden Unterschied zwischen dem Recycling von Gold und anderen Materialien aus.

4. Hat Recycling-Gold einen sozialen Impact?

Die Verwendung von Recycling-Gold hat keinen sozialen Impact. Im Gegenteil: Die Lebensumstände von Millionen Bergleuten werden dadurch negativ beeinflusst.

Warum?

Die Preise für Recycling-Gold (fast immer ohne Herkunftsnachweis) liegen häufig unter dem regulären Marktpreis für neu abgebautes Gold (mit Herkunftsnachweis). Wenn immer mehr Menschen Recycling-Gold bevorzugen, entsteht ein Preisdruck auf den gesamten Goldmarkt.

Die Folge: Kleinschürfer – legale wie illegale – erhalten eine geringe Bezahlung für ihre Arbeit. Ihr Gold gelangt über obskure Kanäle in den regulären Markt, um später als “nachhaltiges” Recycling-Gold verkauft zu werden.

Die Kehrseite

Wer ausschließlich Recycling-Gold verwendet, entzieht sich der Verantwortung für die Bedingungen im Bergbau. Die Weltgemeinschaft schaut weg. Den Menschen, die vom Bergbau abhängig sind, wird keine Perspektive zur Verbesserung geboten. Ihre Arbeitsbedingungen bleiben unsichtbar – und damit auch die Chance auf Veränderung.

5. Wird durch Recycling-Gold weniger Gold abgebaut?

Klare Antwort: Nein.

Die Nachfrage nach Gold steigt jedes Jahr weiter an. Das Angebot an Altgold lässt sich jedoch kaum ausweiten, da ohnehin bereits fast alles „verbrauchte“ oder „nicht mehr gewollte“ Gold wiederverwendet wird und praktisch kein Gold weggeworfen wird.

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Derzeit deckt angeliefertes „Altgold“ nur etwa 23% der weltweiten Goldnachfrage.
  • Der Goldabbau wurde durch Recycling-Gold bisher in keiner Weise reduziert.
  • Bei einem weiter steigenden Goldpreis beginnen immer mehr einkommensschwache Regionen mit dem Abbau – oft unter prekären Bedingungen.

Quelle: World Gold Council – Gold Demand Trends

Der Grund ist einfach: Die Goldnachfrage wird vor allem durch Investoren und die Schmuckindustrie getrieben. Ob mehr oder weniger als „Recycling-Gold“ deklariertes Material verwendet wird, hat kaum Einfluss auf die neu abgebaute Menge. Fazit: Solange die Nachfrage steigt, steigt auch der Abbau.

Das Problem: "Recycling-Gold" ist nicht gleich Recycling-Gold

Die Antworten auf diese fünf Fragen fallen so unterschiedlich aus, weil „Recycling-Gold“ kein geschützter Begriff ist. Es gibt keine einheitliche Definition, keine gesetzlichen Vorgaben, keine verbindlichen Standards.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Quelle.

Kommt das Gold von Endnutzern – zum Beispiel aus Altschmuck oder Elektroschrott? Oder stammt es aus Produktionsabfällen, die nie bei einem Endkunden waren? Oder von eingeschmolzenen Goldbarren, die letzte Woche erst aus einer Mine kamen?

In der Branche werden vier Hauptkategorien unterschieden:

  • Investment: Eingeschmolzene Goldbarren und Münzen – zählt nicht als echtes Recycling, weil es bereits zu min. 99,9 % rein ist (also kein “Müll”) und viel zu leicht frisches Material unbekannter Herkunft enthalten sein kann.
  • Pre-Consumer: Produktionsabfälle aus der Schmuckherstellung, die nie einen Endkunden erreicht haben – genau genommen kein echtes “Recycling”, sondern ein Industrie-interner Materialstrom.
  • Post-Consumer: Material von Endnutzern (z.B. Schmuck, Uhren, Ornamente, Zahngold) am Ende des Produktlebenszyklus.
  • Abfall („Waste“): Tatsächlicher „Müll“, der in den Abfallstrom (waste stream) gelangt (z.B. Elektronikschrott, Schmelztiegel, Industrieteile und -produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer, minderwertiges Material z.B. aus Müllverbrennung, Kehricht).
Inforgrafik Recycling Gold-4 Kategorien

Nur Gold aus Post-Consumer- und Abfall-Recycling schließt den Kreislauf wirklich. Pre-Consumer und Investment-Gold sind streng genommen gar kein echtes Recycling – auch wenn sie häufig als ‚Recycling-Gold‘ verkauft werden

Ohne klare Kennzeichnung wisst ihr nicht, welche Kategorie euer Gold hat.

Ihr wollt es genauer wissen?

Was diese Kategorien genau unterscheidet, welche einen echten Kreislauf schaffen und welche nicht, und wie ihr sie erkennt, erklären wir ausführlich in unserem Artikel: Ist Recycling-Gold wirklich recycelt?

Die Lösung: Klare Definitionen und Transparenz

Damit „Recycling-Gold“ nicht zur leeren Marketing-Floskel wird, braucht es klare Definitionen und nachvollziehbare Herkunftsnachweise.

Organisationen wie der Responsible Jewellery Council (RJC CoC Standard) und SCS Global Services (SCS-103 Standard) arbeiten daran, diese Transparenz zu schaffen. Deren Standards unterscheiden klar zwischen verschiedenen Recycling-Kategorien und verlangen segregierte Lieferketten, spezifische Dokumentation sowie unabhängige Auditierung. Allerdings findet diese Unterscheidung in der Praxis meist nur intern statt und wird nicht für Kunden nachvollziehbar (z.B. mit Prozentsätzen der enthaltenen Recycling-Kategorien) kommuniziert.

Das Wichtigste für euch beim Einkauf: Fragt konkret nach, welche Art von Recycling-Gold ihr bekommt! Ist es Post-Consumer? Werden Pre-Consumer und Investment-Gold explizit ausgeschlossen? Kann der Lieferant die Herkunft belegen? Ist all dies unabhängig zertifiziert?

Was Fairever anders macht

Bei Fairever haben wir uns klar positioniert: Wir arbeiten ausschließlich mit 100% Post-Consumer Recycling-Gold – also Gold, das ein vollständiges Leben als Produkt hinter sich hat und von Endnutzern in den Kreislauf zurückgegeben wurde.

(Recycling-Gold aus tatsächlichem „Abfall“, wie oben definiert, wäre noch besser. Da die anfallenden Mengen sehr gering und die Gewinnung sehr aufwändig ist, ist dieses allerdings noch kaum am Markt verfügbar. Wir hoffen, dies mittelfristig auch anbieten zu können.)

Unsere Quellen:

  • End-of-Life Schmuck, Uhren, Ornamente, Zahngold
  • Industrielle End-of-Life Rückstände (z.B. Industrieteile und -produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer, minderwertiges Material wie Schmelztiegel, Kehricht)

 

Was wir ausschließen: Goldbarren & -münzen (egal ob „neu“ oder „alt“ aussehend), Pre-Consumer-Material, Minenabfälle.

Jede Charge wird eingeschmolzen, raffiniert und auf 999,9‰ Reinheit geprüft.

Zwei Optionen für euch

Post-Consumer Recycled Gold 999 100% Post-Consumer, echte Kreislaufwirtschaft.

Recycled Gold Credit+ Fairmined Das gleiche Post-Consumer Gold – kombiniert mit Fairmined Credits für faire Arbeitsbedingungen im Kleinbergbau.

Mehr erfahren:

Fazit: Wenn Recycling-Gold, dann wenigstens “echtes”

“Recycling-Gold” klingt besser als es ist. Es reduziert weder den Bergbau noch hat es einen sozialen oder ökologischen Impact. Oft wird Pre-Consumer-Material als “Recycling” angeboten, obwohl es lediglich Industrie-interne Stoffströme sind. Dieses kann erst kürzlich unter problematischen Bedingungen abgebaut worden sein.

Aber: Post-Consumer Recycling-Gold ist echte Kreislaufwirtschaft. Bei Fairever könnt ihr sicher sein: Wenn „Recycling-Gold“ drauf steht, ist 100% segregiertes Post-Consumer Gold drin, welches einen kompletten Produktlebenszyklus durchlaufen hat. Und mit unseren Recycling-Gold Credit+ Produkten verbindet ihr Kreislaufwirtschaft sogar noch mit fairem Impact – das Beste aus beiden Welten!

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Über die Autorin
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