Der Fairmined Gold Standard ist das Regelwerk, nach dem Kleinbergbau-Organisationen arbeiten, die zertifiziertes Gold verkaufen. Er setzt verbindliche Anforderungen an Quecksilber, Arbeitssicherheit, Kinderschutz, faire Bezahlung und Rückverfolgbarkeit und garantiert den Bergleuten einen Mindestpreis plus eine Prämie von 4.000 US-Dollar pro Kilogramm. Hier erfahrt ihr, was der Standard verlangt, was er den Bergleuten und ihren Gemeinschaften bringt – und was das Fairmined-Siegel belegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Fairmined Gold Standard setzt die Regeln für zertifiziertes Gold aus dem Kleinbergbau. Version 2.0 der gemeinnützigen Alliance for Responsible Mining (ARM) gilt seit April 2014 und umfasst auch Silber und Platin, die zusammen mit dem Gold gefunden werden.
- Minen müssen nicht am ersten Tag perfekt sein, aber sie müssen besser werden. Einstiegsanforderungen gelten ab dem ersten Audit; weiterführende Anforderungen folgen in den Jahren 1, 3, 6 und 9 und werden in jährlichen Audits geprüft.
- Die Fairmined Gold Zertifizierung umfasst vier Felder. ARM ordnet die Anforderungen den Bereichen Organisationsentwicklung, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und soziale Entwicklung zu – verbunden durch Rückverfolgbarkeit und unabhängige Kontrolle.1
- Die Bergleute erhalten einen garantierten Preis und eine Prämie. Mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises plus 4.000 US-Dollar pro Kilogramm, bei Fairmined Ecological Gold 6.000 – seit 2014 mehr als 7,9 Millionen US-Dollar Prämie.
- Fairmined Ecological Gold geht am weitesten. Es wird ausschließlich mit Schwerkraftverfahren gewonnen, ohne Quecksilber und ohne Zyanid, und muss auf jeder Stufe physisch rückverfolgbar bleiben.
Inhaltsverzeichnis
- Der Fairmined Gold Standard auf einen Blick
- Was ist der Fairmined Gold Standard?
- Wer bekommt die Fairmined Gold Zertifizierung?
- Auf Verbesserung angelegt: ein Standard in Stufen
- Organisationsentwicklung
- Umweltschutz
- Arbeitsbedingungen
- Soziale Entwicklung
- Die Fairmined Prämie: wofür sie bezahlt
- Fairmined Ecological Gold: der zusätzliche Schritt
- Rückverfolgbarkeit: von der Mine bis zum Markt
- Kontrolle: wer prüft und wie
- Was das Fairmined-Siegel belegt – und was nicht
- FAQs: Der Fairmined Gold Standard erklärt
- Das Wichtigste zum Mitnehmen
- Quellen
Der Fairmined Gold Standard auf einen Blick
| Vollständiger Name | Fairmined Standard for Gold from Artisanal and Small-scale Mining, including Associated Precious Metals2 |
| Herausgeber | Alliance for Responsible Mining (ARM), gemeinnützige Organisation mit Sitz bei Medellín, Kolumbien |
| Aktuelle Version | 2.0, gültig seit 5. April 2014, weiterentwickelt durch Pilot-Änderungen23 |
| Wer zertifiziert werden kann | Organisationen des handwerklichen und kleingewerblichen Bergbaus (ASMOs) |
| Metalle | Gold; Silber und Platin, wenn sie zusammen mit dem zertifizierten Gold gewonnen werden |
| Aufbau | Einstiegsanforderungen (Jahr 0) und weiterführende Anforderungen (Jahre 1 bis 9) |
| Mindestpreis | Mindestens 95 % des LBMA-Preises |
| Fairmined Prämie | 4.000 US-Dollar pro kg Gold; 6.000 für Fairmined Ecological Gold |
| Audits | Jährlich, durch unabhängige, von ARM anerkannte Zertifizierungsstellen4 |
| Zertifizierte Minen | 11 gleichzeitig im Jahr 20255 |
| Lieferketten-Modelle | Fairmined Labeled, Fairmined Incorporated, Fairmined Credits |
Was ist der Fairmined Gold Standard?
Der Fairmined Gold Standard ist ein freiwilliger Zertifizierungsstandard für Gold aus handwerklichem und kleingewerblichem Bergbau. Er legt fest, was eine Bergbau-Organisation leisten muss, um ihr Gold als Fairmined zu verkaufen, und was Käufer dafür zahlen müssen. Unabhängige Zertifizierungsstellen prüfen die Einhaltung; ARM ist Eigentümerin des Fairmined Gold Standards und entwickelt ihn weiter.
Sein Ziel reicht weiter als ein Siegel. Der Fairmined Gold Standard will „die schrittweise Organisation und Formalisierung des Kleinbergbaus“ voranbringen, mit besseren Arbeitsrechten, sichererer Arbeit und stärkeren Organisationen der Bergleute.2 Er baut auf nationalem Recht auf und ergänzt, was das Gesetz oft nicht verlangt: einen verantwortungsvollen Umgang mit Quecksilber, faire Handelsbedingungen und eine Prämie für Entwicklung. Warum der Sektor das braucht, erklärt unser Überblick zum Gold-Kleinbergbau.
Der Fairmined Standard hat eine Geschichte. Er entstand aus ARMs „Standard Zero“ von 2006 und einem gemeinsamen Fairtrade- und Fairmined-Standard von 2010.2 Mehr zur Organisation dahinter: die Alliance for Responsible Mining.
Version 2.0 gilt weiterhin. Seit 2014 hat ARM einzelne Regeln über Pilot-Änderungen nachgeschärft, etwa zur Verwaltung der Prämie und zu den Fairmined Credits.3 ARM arbeitet an einer umfassenden Überarbeitung, begleitet von einem Expertengremium aus Bergleuten, Schmuckmarken, Branchenfachleuten und NGOs. Fairevers Gründer Florian Harkort gehörte diesem Gremium an.6
Wer bekommt die Fairmined Gold Zertifizierung?
Die Fairmined Zertifizierung steht organisierten, legalen Bergbau-Organisationen des Kleinbergbaus offen – Kooperativen, Verbänden oder kleinen Unternehmen. Der Standard nennt sie ASMOs.2
Für die Fairmined Gold Zertifizierung darf eine Organisation beim Einstieg höchstens 4 Gramm Gold pro registriertem Bergmann und Tag fördern, im weiteren Wachstum bis zu 8 Gramm. Mehr als die Hälfte ihrer Bergleute muss aus der örtlichen Bergbau-Gemeinschaft stammen, und kein Eigentümer darf Anteile an Industriebergbau halten.2 Der Fairmined Gold Standard gilt für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die Entwicklungshilfe erhalten können.
Manche Gebiete sind ausgeschlossen: Schutzgebiete mit Bergbauverbot, von ARM benannte kritische Ökosysteme, Gebiete mit Konflikten mit der Landwirtschaft und Konfliktgebiete, in denen die Bergleute eine Unterstützung bewaffneter Gruppen nicht ausschließen können – im Einklang mit der OECD Due Diligence Guidance.2 Maschinelles Baggern in Flüssen und Seen ist ausgeschlossen, bis auf kleine handwerkliche Bagger, die strenge Umweltauflagen erfüllen.
Nicht alle Bergleute im Gebiet einer Organisation müssen sofort mitmachen. Die Organisation legt ein „System of Production“ fest – die Bergleute, Flächen und Anlagen, die den Standard erfüllen – und kann Vorreiter vorangehen lassen.2 Nur Gold aus diesem System darf als Fairmined verkauft werden.
Auf Verbesserung angelegt: ein Standard in Stufen
Der Fairmined Gold Standard ist ein gestuftes System. Jede seiner Anforderungen ist entweder eine Einstiegsanforderung, die vor der Zertifizierung erfüllt sein muss, oder eine weiterführende, fällig bis Jahr 1, 3, 6 oder 9.2 Die Minen starten dort, wo sie stehen, und müssen in jedem jährlichen Audit Fortschritte nachweisen.
Das Quecksilber zeigt die Logik. Vom ersten Tag an ist die Amalgamierung des gesamten Erzes verboten, Retorten sind Pflicht. Bis Jahr 3 dürfen amalgamierte Rückstände nur noch mit Zyanid gelaugt werden, wenn das Quecksilber vorher zurückgewonnen wurde. Ab Jahr 9 ist das Laugen amalgamierter Rückstände ganz verboten.2 Bei den Löhnen ist es genauso: vom Start an mindestens der gesetzliche Mindestlohn, ab Jahr 3 schrittweise Erhöhungen in Richtung existenzsichernder Löhne.
Jede Anforderung hat zudem eine festgelegte Reichweite. Manche gelten für das zertifizierte System of Production, manche für das gesamte Bergbaugebiet der Organisation und manche für die umliegende Gemeinschaft.2 Wo nationales Recht strenger ist, gilt das nationale Recht.
ARM fasst die Idee in einem Satz zusammen, den zertifizierte Bergbau-Organisationen verwenden dürfen: „Wir verpflichten uns zur schrittweisen Verbesserung unserer Bergbaupraktiken gemäß dem Fairmined Standard.“7 2025 bestanden neun Bergbau-Organisationen ihre Rezertifizierung.5
Organisationsentwicklung
Die Organisationsentwicklung ist das Fundament des Fairmined Gold Standards. Ohne eine legale, gut geführte Organisation lässt sich keine der übrigen Regeln durchsetzen. Deshalb gelten die meisten dieser Anforderungen ab dem ersten Tag.
Legaler Bergbau
Eine zertifizierte Organisation braucht Land- und Bergbaurechte für alle Flächen ihres System of Production, zahlt alle Steuern, Gebühren und Förderabgaben und arbeitet mit Zustimmung der gesetzlichen und traditionellen Autoritäten vor Ort.2 Ihre Einnahmen dürfen weder illegale Aktivitäten noch bewaffnete Konflikte finanzieren. Sie braucht eine legale, transparente Struktur und eine Finanzkontrolle nach nationalen Vorgaben. In einem Sektor, in dem die Formalisierung oft der schwerste Schritt ist, hebt allein das zertifizierte Minen ab.
Eine stärkere Organisation
Jede zertifizierte Organisation betreibt ein internes Kontrollsystem. Es registriert jeden Bergmann mit Name und Ausweisnummer, erfasst jede Lieferung von Erz und Gold nach Datum, Menge und Herkunft und hält zertifiziertes Material von allem anderen getrennt.2 Aufsichtspersonen kontrollieren die Abbauflächen mit unangekündigten Besuchen.
Die Organisation muss außerdem alle Bergleute in ihrem gesamten Bergbaugebiet registrieren, auch jene außerhalb des System of Production, und ab Jahr 1 verantwortungsvolle Praktiken bei ihnen fördern. Im ersten Jahr muss sie ein Beschwerdeverfahren für Menschenrechts- und Umweltfragen einrichten; Fälle, die sie vor Ort nicht lösen kann, muss sie ARM melden.
Ein garantierter Mindestpreis
Käufer müssen mindestens 95 % des LBMA-Goldpreises zahlen, bezogen auf den Feingoldgehalt, ab Export-Flughafen.2 Die UNEP stellt fest, dass kleine Produzenten oft „70 % oder mehr der internationalen Preise erhalten, selbst in abgelegenen Gebieten“ – der Fairmined Mindestpreis legt die Untergrenze deutlich höher.8
Der Fairmined Gold Standard setzt zudem klare Zahlungsfristen, sofern der Vertrag nichts anderes regelt: Die erste Abschlagszahlung ist am nächsten Werktag fällig, nachdem das Gold beim Zoll- oder Exportagenten eingegangen ist, die Schlusszahlung samt Prämie am nächsten Werktag, nachdem alle Werte geprüft sind. Als erster autorisierter Käufer zahlt Fairever freiwillig 96–99 % des LBMA-Preises.9
Bessere Handelsbeziehungen
Fairmined-Handel beruht auf schriftlichen Verträgen. Jeder legt Mengen, Qualität, Preis, Zahlungs- und Lieferbedingungen fest und regelt, wie der Goldgehalt bestimmt wird.2 Käufer dürfen den Kauf von zertifiziertem Gold nicht an unfaire Bedingungen für nicht zertifiziertes Gold knüpfen.
Beim Zugang zu Geld haben kleine Minen oft das größte Problem, weil lokale Händler die Bergleute vorfinanzieren und so an sich binden. Der Fairmined Gold Standard setzt genau hier an.
Nach einer Probephase müssen Käufer auf Anfrage eine Vorauszahlung leisten: Bergbau-Organisationen können bis zu 60 % des Werts einer Lieferung anfragen, Käufer müssen mindestens 40 % leisten.2 Die Finanzierungskosten sind gedeckelt auf den Bankzins des Käufers plus Kreditversicherung und 1 % pro Jahr. Nach drei Jahren tauschen Käufer und Minen voraussichtliche Einkaufs- und Produktionspläne aus, damit beide Seiten planen können.
Umweltschutz
Die Umweltregeln des Fairmined Gold Standards zielen auf die größten Risiken des Kleinbergbaus: Quecksilber, verschmutztes Wasser und zerstörte Flächen. Sie sind so angelegt, dass kleine Minen sie mit ihren Mitteln erfüllen können, und werden mit der Zeit strenger.2 Wo nationales Recht Quecksilber oder Zyanid verbietet, gilt das Gesetz.
Quecksilber und Chemikalien unter strengen Regeln
Quecksilber ist das größte Umweltproblem des Sektors. Der handwerkliche und kleingewerbliche Goldbergbau ist die größte menschengemachte Quelle für Quecksilber-Emissionen in die Luft, mit 37,7 % der weltweiten Menge.10 Das gesamte, nicht angereicherte Erz zu amalgamieren gehört zu den schlechtesten Praktiken und ist obendrein ineffizient: Es erfasst laut UNEP „selten mehr als 30 % des Goldes“.8
Der Fairmined Gold Standard verbietet die Amalgamierung des gesamten Erzes von Anfang an. Das Gold muss zuerst ohne Quecksilber angereichert werden, Retorten müssen das Quecksilber zurückgewinnen, und Amalgam darf nie in Wohnhäusern oder Wohngebieten abgebrannt werden.2 Quecksilber und Zyanid müssen sicher gelagert und dürfen nur von geschulten Erwachsenen eingesetzt werden. Wo eine Gewinnung ohne Quecksilber mit vertretbarem Aufwand möglich ist, soll gar nicht amalgamiert werden. Die Regeln folgen den vorrangigen Maßnahmen des Minamata-Übereinkommens über Quecksilber.
Zyanid gewinnt deutlich mehr Gold – laut UNEP oft 90 % – und bleibt nicht wie Quecksilber dauerhaft in der Umwelt.8 Der Fairmined Standard erlaubt es, aber unter festen Regeln: Zyanidlösungen und -rückstände müssen vor der Ableitung in einem abgedichteten Becken oder Tank entgiftet werden, und Laugungsanlagen dürfen nur von geschultem Personal betrieben werden.2
Schutz der Gewässer
Rückstände und Lösungen aus Amalgamierung oder Zyanidlaugung dürfen nie in Gewässer gelangen oder dorthin, wo sie Gewässer erreichen können, und auch Treibstoffreste dürfen dort nicht entsorgt werden.2 Bis Jahr 3 gilt das für alle Rückstände und verschmutztes Wasser, und Minen mit Risiko für saure Grubenwässer müssen säurebildendes Material vom Wasser trennen. Ebenfalls bis Jahr 3 muss die Organisation mit den Behörden vor Ort am Schutz der Wasserressourcen in ihrem weiteren Umfeld mitwirken.
Ein kleiner Fußabdruck
Alle Minen und Aufbereitungsanlagen brauchen gültige Umweltgenehmigungen oder Managementpläne nach nationalem Recht.2 Bergbau in Schutzgebieten mit Bergbauverbot ist ausgeschlossen; die seltenen Ausnahmen setzen eine behördliche Genehmigung und einen Plan zur Minderung der Umweltfolgen voraus. Jede technische Änderung muss auf ihre Umweltwirkung geprüft werden.
Flächen zurückgeben
Bis Jahr 3 müssen Gruben und Stolleneingänge nach Ende des Abbaus verfüllt oder verschlossen und die Flächen im Gelände wiederhergestellt werden. Bis Jahr 6 müssen sie wieder bepflanzt oder gemäß den Nutzungsplänen der örtlichen Behörden wiederhergestellt sein.2
Klima: nicht im Standard, aber jetzt gemessen
Der Fairmined Gold Standard enthält keine Klimaanforderungen. ARM misst trotzdem. 2023 untersuchte sie fünf Kleinbergbau-Betriebe in Kolumbien und Peru nach dem GHG Protocol über alle drei Scopes: Sie emittierten zwischen 0,89 und 17,16 Tonnen CO₂-Äquivalent pro Kilogramm Gold, im Mittel 6,7 Tonnen.11 Welche davon zertifiziert waren, hat ARM nicht veröffentlicht.
Zum Vergleich: Der industrielle Goldbergbau liegt im Durchschnitt bei rund 23 bis 33 Tonnen, die emissionsintensivste Mine einer globalen Studie bei rund 169 Tonnen.1213 Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, da die Werte der Industrie nur Scope 1 und 2 umfassen. ARMs eigene erste Einschätzung: Der Kleinbergbau „schneidet beim CO₂-Äquivalent pro Kilogramm Gold günstig gegenüber dem Industriebergbau ab“.11 Seitdem hat ARM die Messungen ausgeweitet, auch auf Fairmined-zertifizierte Minen, und Pilotprojekte zur Senkung der Emissionen gestartet.145
Arbeitsbedingungen
Der Fairmined Gold Standard baut auf dem Konzept menschenwürdiger Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation auf und auf deren Kernübereinkommen.2 Seine Arbeitsregeln gelten für alle im zertifizierten System of Production: Angestellte, Mitglieder und selbstständige Bergleute.
Ein gesunder und sicherer Arbeitsplatz
Vom ersten Tag an müssen alle Bergleute eine grundlegende Schutzausrüstung tragen, passend zur Mine und zur Tätigkeit, und eine Grundschulung zu Gesundheits- und Sicherheitsrisiken erhalten.2 Ein Komitee für Arbeitsschutz entscheidet für das gesamte Bergbaugebiet, ein Erste-Hilfe-Programm muss bestehen, und jeder Unfall, jeder Todesfall und jede arbeitsbedingte Erkrankung wird erfasst. Maschinen und Arbeitsplätze müssen so sicher sein, wie es vernünftigerweise machbar ist.
Im ersten Jahr müssen alle Bergleute Zugang zu regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen erhalten, einschließlich Frauengesundheit, und die Organisation braucht eine Richtlinie gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Bis Jahr 3 ist ein Rettungsplan Pflicht. Wo es keine staatliche soziale Absicherung gibt, erhalten Bergleute nach Unfällen, Berufskrankheiten oder Katastrophen von Anfang an Unterstützung aus einem Solidaritätsfonds; bis Jahr 3 müssen sie kranken-, renten- und unfallversichert sein, sofern ein funktionierendes staatliches System existiert.
Faire Bezahlung und sichere Arbeitsplätze
Angestellte müssen mindestens den nationalen Branchendurchschnitt oder den gesetzlichen Mindestlohn verdienen, je nachdem, was höher ist.2 Wo nach Gewinnbeteiligung bezahlt wird, dürfen die Bergleute im Durchschnitt nicht schlechter dastehen als mit einem festen Lohn.
Der Lohn muss regelmäßig und pünktlich kommen, nie in Gutscheinen oder Schuldscheinen. Die reguläre Arbeitszeit ist auf 48 Stunden pro Woche begrenzt; Überstunden sind freiwillig, auf 12 Stunden pro Woche begrenzt und werden mit Zuschlag bezahlt. Jede angestellte Person hat einen verbindlichen Arbeitsvertrag, mindestens 24 Stunden Ruhe alle sieben Tage und mindestens zwei Wochen bezahlten Urlaub im Jahr.
Der Fairmined Gold Standard will die Arbeit im Kleinbergbau stabiler machen. Bis Jahr 3 müssen die Löhne schrittweise auf ein existenzsicherndes Niveau steigen, und einheimische, zugewanderte, saisonale und feste Arbeitskräfte müssen für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden.
Bis Jahr 3 brauchen auch dauerhaft tätige selbstständige Bergleute, die seit mehr als drei Monaten im System arbeiten, eine faire Vereinbarung zur Gewinnbeteiligung. Bis Jahr 6 muss alle regelmäßige Arbeit von fest angestellten Kräften erledigt werden.2 Zwangs- und Schuldknechtschaft sowie das Einbehalten von Ausweisen sind von Anfang an verboten.
Das Recht, sich zu organisieren
Arbeitgeber müssen schriftlich und in der Praxis das Recht aller Beschäftigten anerkennen, sich zu organisieren, Arbeitnehmerorganisationen ihrer Wahl beizutreten und Tarifverhandlungen zu führen.2 Gewerkschaftsvertreter:innen müssen mit den Beschäftigten sprechen dürfen, und niemand darf Nachteile erleiden, weil er einer Gewerkschaft beitritt oder nicht. Bis Jahr 3 muss die Organisation Schulungen zum sozialen Dialog finanzieren und sicherstellen, dass die Beschäftigten ihre Vertretung frei wählen können.
Soziale Entwicklung
Die sozialen Regeln des Fairmined Gold Standards reichen über das Minentor hinaus. Sie schützen Kinder und Frauen, halten Gold aus Konflikten heraus und machen die Bergbau-Organisation zu einer Partnerin der Entwicklung vor Ort.
Keine Verbindung zu Konflikten
Der Fairmined Gold Standard folgt der OECD Due Diligence Guidance für Gold. Organisationen in Konflikt- und Hochrisikogebieten dürfen nur zertifiziert werden, wenn sie glaubhaft ausschließen, dass sie über Abbau, Transport oder Handel von Gold bewaffnete Gruppen oder Sicherheitskräfte direkt oder indirekt unterstützen.2 Die Einnahmen zertifizierter Organisationen dürfen nie illegale Aktivitäten oder bewaffnete Konflikte finanzieren.
Kinderschutz
Niemand unter 15 Jahren darf beschäftigt werden, oder unter dem höheren Mindestalter des nationalen Bergbaurechts. Niemand unter 18 darf gefährliche Arbeit verrichten.2 Jugendliche, die im Familienbetrieb mithelfen, dürfen nicht unter Tage oder unter Wasser arbeiten, keine schweren Lasten tragen, nicht mit giftigen Stoffen umgehen und nicht nachts arbeiten, und ihre Arbeit darf nie den Schulbesuch gefährden.
Bis Jahr 3 müssen Organisationen in Gebieten, in denen Kinderarbeit verbreitet ist, eine gemeindebasierte Überwachung und Abhilfe unterstützen. Unabhängige Auditor:innen prüfen diese Regeln in der Mine selbst.
Gleichstellung der Geschlechter
Die Regeln für die Aufnahme ins System of Production müssen transparent sein und dürfen niemanden wegen des Geschlechts oder anderer Merkmale benachteiligen.2 Das Prämienkomitee, das über die Verwendung der Prämie entscheidet, muss alle Gruppen vertreten, und die Organisation muss eine faire Vertretung von Frauen darin anstreben.
Bis Jahr 3 muss die Organisation Maßnahmen für eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen ergreifen und Bergarbeiterinnen gleichen Zugang zu Erzvorkommen und Technik geben. Bis Jahr 6 müssen schwangere und stillende Bergarbeiterinnen beim Wechsel in leichtere, ungefährliche Arbeit unterstützt werden.
Wohlergehen der Gemeinschaft
Bis Jahr 3 muss eine zertifizierte Organisation die nachhaltige Entwicklung vor Ort aktiv mitgestalten – über das eigene Bergbaugebiet hinaus und gemeinsam mit Behörden und Gruppen aus der Gemeinschaft.2 Der Fairmined Gold Standard nennt vier Schwerpunkte: die Lage von Frauen und Kindern, Kinder- und Zwangsarbeit, den Umgang mit Quecksilber sowie den Schutz von Wald und Wasser. Ein Teil der Fairmined Prämie fließt in diese Arbeit, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Anny Jaramillo, Planungsdirektorin der Bergbau-Organisation Chede in Kolumbien, beschreibt die Wirkung:
„Eine Bergbau-Organisation mit hohen Standards wirkt über sich selbst hinaus: Sie schafft die Möglichkeit, Wertschöpfungsketten aufzubauen, die sich positiv auf die Wirtschaft, die Umwelt und die Gemeinschaften vor Ort auswirken.“
– Anny Jaramillo, Bergbau-Organisation Chede15
Die Fairmined Prämie: wofür sie bezahlt
Die Fairmined Prämie ist Geld zusätzlich zum Goldpreis, das in voller Höhe an die zertifizierte Bergbau-Organisation geht. Sie ist ein Kernelement des Fairmined Gold Standards und beträgt 4.000 US-Dollar pro Kilogramm Fairmined Gold und 100 US-Dollar pro Kilogramm Fairmined Silber. Für ökologisches Gold zahlen Käufer weitere 2.000 US-Dollar pro Kilogramm.2
Ein Ehering mit 8 Gramm Gesamtgewicht in 750er Gold (18 Karat) enthält 6 Gramm Feingold – aus Fairmined Gold trägt er 24 US-Dollar Prämie.
Über die Verwendung entscheiden die Bergleute. Jede Organisation bildet ein Prämienkomitee, das alle Gruppen im System of Production vertritt, ausdrücklich auch die Bergarbeiterinnen.2 Im ersten Jahr ermittelt es den Bedarf und erstellt einen Entwicklungsplan mit Prioritäten; die Organisation setzt ihn in einen Investitionsplan für die Prämie um, führt eigene Bücher dafür und berichtet jedes Jahr öffentlich über die Ergebnisse. Die Käufer wiederum melden jede Prämienzahlung an ARM.
Seit 2014 haben zertifizierte Bergbau-Organisationen mehr als 7,9 Millionen US-Dollar Fairmined Prämie erhalten. Allein 2025 waren es rund 410.000 US-Dollar, einschließlich der Prämie aus Fairmined Credits.145
Der größte Teil des Geldes fließt in die Minen selbst. 2022, im jüngsten Jahr mit veröffentlichten Beträgen je Mine, steckten sechs Bergbau-Organisationen rund 61 % der von ihnen investierten Prämie in ihren Betrieb und verantwortungsvolle Praktiken, 30 % in ihre Beschäftigten und deren Familien und 9 % in ihre Gemeinschaften.15
Ab dem dritten Jahr erwartet ARM, dass die Organisationen einen Teil der Prämie für die Entwicklung vor Ort einsetzen.11 Typische Investitionen reichen von Schutzausrüstung, Rettungsübungen und besserer Aufbereitungstechnik bis zu Wohnungen für Beschäftigte, Bildung, Gesundheitskampagnen und der Renaturierung von Abbauflächen.16171518
Ein paar Beispiele:
- Löhne gesichert: Während der Lockdowns 2020 konnte Chede in Kolumbien „dank der Fairmined Prämie die Löhne weiterzahlen, während die übrigen Bergbau-Organisationen der Region die Gehälter ihrer Beschäftigten aussetzen mussten“.16
- Wohnen: 2022 kaufte Iquira in Kolumbien einen Hektar Land für ein Wohnprojekt für mindestens 120 Familien.15
- Flächen zurückgegeben: 2020 und 2021 verschloss Oro Puno in Peru insgesamt 35.000 Quadratmeter Abbaufläche und bepflanzte sie mit einheimischen Pflanzen.1617
- Bildung: 2023 bezahlte CECOMIP in Peru vier Lehrkräfte, damit Beschäftigte ihren Grund- und Sekundarschulabschluss nachholen konnten.18
- Über Fairmined Credits: 2025 hielten Credits das Betreuungszentrum Corazones de Oro in Iquira sechs Monate lang in Betrieb, für 13 Kinder und Jugendliche mit Behinderung.5 Mehr dazu in Corazones de Oro.
Das ganze Bild, Mine für Mine: wofür die Fairmined Prämie verwendet wird.
Fairmined Ecological Gold: der zusätzliche Schritt
Fairmined Ecological Gold ist die anspruchsvollste Kategorie des Fairmined Gold Standards. Zusätzlich zu allen regulären Anforderungen dürfen in der Aufbereitung weder Quecksilber noch Zyanid eingesetzt werden; es werden „ausschließlich gravimetrische Verfahren angewendet“.2 Die Organisation braucht außerdem einen Umweltmanagementplan, der die Eingriffe in die Natur auf ein Minimum begrenzt, und sie muss von Beginn an das ursprüngliche Ökosystem wiederherstellen.
Fairmined Ecological Gold muss auf jeder Stufe ohne Ausnahme physisch rückverfolgbar sein und darf nur mit anderem Fairmined Ecological Gold zusammengeführt werden. Käufer zahlen zusätzlich zur regulären Prämie eine Ecological Premium von 2.000 US-Dollar pro Kilogramm, insgesamt also 6.000 US-Dollar.2
Schwerkraft allein ist nicht die Regel, weil sie weniger Gold gewinnt und nicht jede Lagerstätte sie zulässt. „Der Lagerstättentyp bestimmt, welche Gewinnung möglich ist, und damit auch, ob und wie Quecksilber eingesetzt (und womöglich ersetzt) wird“, erklärt der Praxisleitfaden der UNEP zur Quecksilber-Reduktion.8 Schwerkraftverfahren funktionieren am besten, wo das Gold grob und frei vorliegt, wie in vielen Seifenlagerstätten; im Hartgestein ist es oft in anderen Mineralen eingeschlossen.
Die UNEP nennt eine gut ausgelegte Anlage, die allein mit Schwerkraft rund 70 % des Goldes gewinnt – gegenüber oft 90 % mit Zyanid. Laut Standard würde ein vollständiges Verbot von Quecksilber und Zyanid als Bedingung 95 % aller Kleinbergleute ausschließen – deshalb belohnt er ökologisches Gold, statt es vorzuschreiben.2 Die Ecological Premium kann auch die geringere Ausbeute ausgleichen.
Fairever bezieht sein Fairmined Ecological Gold von Oro Puno in Peru. Auf rund 4.700 Metern in den Anden waschen die Bergleute dort Gold aus Gletschermoränen, nur mit Wasser und Schwerkraft.19 2018 erhielt Oro Puno als erste Bergbau-Organisation Perus diese Zertifizierung.917 Die ganze Geschichte: die Oro Puno Goldmine. Die Kategorie im Detail: Was ist Fairmined Ecological Gold?
Rückverfolgbarkeit: von der Mine bis zum Markt
Jedes Gramm Fairmined Gold muss bis zu einer zertifizierten Bergbau-Organisation rückverfolgbar sein. Das beginnt in der Mine, wo das interne Kontrollsystem Erz, Konzentrat und Gold erfasst. Eine lückenlose Dokumentation ist immer Pflicht, und jede Transaktion wird im Informationssystem von ARM registriert.2
Von der Mine zum ersten Käufer und weiter zur Raffinerie muss das Gold physisch getrennt bleiben, mit engen Ausnahmen für ausgelagerte Aufbereitungsschritte.2 Raffinerien müssen selbst autorisierte Fairmined-Akteure sein. Der Standard kennt drei Lieferketten-Modelle:
- Fairmined Labeled: Das Gold bleibt bis zum fertigen Stück physisch getrennt, und nur diese Produkte dürfen das Fairmined-Siegel tragen.
- Fairmined Incorporated: Die physische Rückverfolgbarkeit endet in der Raffinerie; Unternehmen dürfen über ihre Fairmined-Einkäufe auf Unternehmensebene berichten, aber keine einzelnen Produkte kennzeichnen.
- Fairmined Credits: ein Book-and-Claim-Modell. Jeder Credit steht für ein Gramm Gold, das eine zertifizierte Mine auf dem lokalen, legalen Markt verkauft hat; der Käufer zahlt die Prämie dafür. 2022 lösten die Credits die früheren „Fairmined Certificates“ ab.520 Mehr in Fairmined Credits erklärt.
Der Fairmined Gold Standard erlaubt es, Gold aus mehreren zertifizierten Minen zu mischen. Wir gehen weiter und halten das Gold wo möglich nach Mine getrennt, und unser Etikett nennt die Mine und ihre Fairmined-ID. Warum das wichtig ist: rückverfolgbares Gold.
Kontrolle: wer prüft und wie
Die Fairmined Gold Zertifizierung vergeben und prüfen unabhängige Zertifizierungsstellen, nicht ARM. Eine Bergbau-Organisation bewirbt sich bei ARM, deren Aufnahmekomitee Unterlagen und Hintergrund innerhalb von zwei Wochen prüft. Erfüllt sie die Voraussetzungen, auditiert eine von ARM anerkannte Zertifizierungsstelle sie anhand der Dokumente und vor Ort und entscheidet über die Zertifizierung.4 ARM nennt für Bergbau-Organisationen NaturaCert, IMOcert und MonCertf.21
Ein Zertifikat gilt 18 Monate, das nächste Audit ist spätestens 12 Monate nach dem letzten fällig – in der Praxis also jedes Jahr. Die Bergbau-Organisation bezahlt ihre Audits selbst.4 Organisationen, die die Anforderungen nicht mehr erfüllen, können suspendiert oder dezertifiziert werden, und Käufer dürfen dann nicht mehr als zertifiziert bei ihnen einkaufen.2
Auch die Lieferkette wird geprüft. Jedes Unternehmen, das mit Fairmined Gold handelt oder es verarbeitet, muss von ARM autorisiert sein und wird auditiert.2 Erste autorisierte Käufer, die direkt bei den Minen einkaufen, erhalten ein Jahr nach ihrem ersten Kauf ein Audit vor Ort; weitere Audits folgen je nach Risiko alle 12 bis 24 Monate.22 ARM nennt SCS Global Services und Mazars als Prüfstellen für Lieferanten.21
Fairever ist seit 2017 Fairmined Authorized Supplier mit der Fairmined-ID DE20014 und Mitglied bei ARM.23245 Als erster autorisierter Käufer werden wir von SCS Global Services auditiert.9
„Jedes Audit ist ein spannender und hilfreicher Prozess – und ehrlich gesagt bin ich jedes Mal froh, wenn der Auditor jeden Stein umgedreht hat und am Ende trotzdem zufrieden ist.“
– Florian Harkort, Gründer von Fairever
Unternehmen, die Fairmined-Produkte an Endkund:innen verkaufen, hießen im Fairmined Standard lange Lizenznehmer. Seit 2024 ersetzt die ARM-Mitgliedschaft dieses Lizenzmodell; Ende 2025 hatte sie 243 Mitgliedsorganisationen.145
Was das Fairmined-Siegel belegt – und was nicht
Das Fairmined-Siegel auf einem Produkt belegt viel. Das Gold stammt von einer zertifizierten Bergbau-Organisation, die unabhängig nach dem Standard geprüft wurde. Die Bergleute erhielten mindestens den Mindestpreis plus die Fairmined Prämie. Und das Gold war von der Mine bis zum fertigen Produkt physisch rückverfolgbar.2
Manches sagt das Siegel für sich allein nicht:
- Reguläres Fairmined Gold ist nicht automatisch quecksilberfrei. Quecksilber ist streng beschränkt und wird schrittweise zurückgedrängt; nur Fairmined Ecological Gold schließt Quecksilber und Zyanid vollständig aus.
- Es nennt nicht immer eine einzelne Mine. Der Fairmined Gold Standard erlaubt, Gold mehrerer zertifizierter Minen zu mischen – fragt euren Lieferanten, aus welcher Mine euer Gold stammt.
- Es ist kein Klimasiegel. Der Fairmined Standard enthält keine Anforderungen zu Treibhausgasen.
- Es steht für Fortschritt, nicht für Perfektion. Eine Mine im ersten Jahr erfüllt die Einstiegsanforderungen; die weiterführenden folgen über die Jahre.
Ob Fairmined Gold den Namen „verantwortungsvolles Gold“ verdient, ist eine eigene Frage: Ist Fairmined Gold wirklich verantwortungsvolles Gold?
FAQs: Der Fairmined Gold Standard erklärt
Was ist der Fairmined Gold Standard?
Der Fairmined Gold Standard ist ein freiwilliger Zertifizierungsstandard für Gold aus handwerklichem und kleingewerblichem Bergbau, herausgegeben von der Alliance for Responsible Mining. Er stellt Anforderungen an Organisation, Umwelt, Arbeitsbedingungen, soziale Entwicklung und Rückverfolgbarkeit und garantiert den Bergleuten einen Mindestpreis plus die Fairmined Prämie.
Welche Version des Fairmined Standards gilt?
Version 2.0, gültig seit 5. April 2014. ARM hat seitdem einzelne Regeln über Pilot-Änderungen nachgeschärft, etwa mit der Einführung der Fairmined Credits 2022, und arbeitet an einer umfassenden Überarbeitung.
Wie hoch ist die Fairmined Prämie?
Nach dem Fairmined Gold Standard beträgt die Fairmined Prämie 4.000 US-Dollar pro Kilogramm Gold und 100 US-Dollar pro Kilogramm Silber. Für Fairmined Ecological Gold zahlen Käufer weitere 2.000 US-Dollar pro Kilogramm, insgesamt 6.000. Die Prämie kommt zu einem Mindestpreis von 95 % des LBMA-Preises hinzu.
Ist Fairmined Gold quecksilberfrei?
Nur Fairmined Ecological Gold wird immer ohne Quecksilber gewonnen. Reguläre Fairmined-Minen dürfen Quecksilber unter strengen Regeln noch einsetzen: keine Amalgamierung des gesamten Erzes, Retortenpflicht und keine Einleitung in Gewässer. Fairmined Ecological Gold wird ausschließlich mit Schwerkraftverfahren gewonnen, ohne Quecksilber und Zyanid.
Wer prüft Fairmined-Minen?
Unabhängige, von ARM anerkannte Zertifizierungsstellen wie NaturaCert und IMOcert prüfen Fairmined-Minen jedes Jahr, bevor sie die Fairmined Gold Zertifizierung verlängern. Auch Unternehmen in der Lieferkette werden auditiert, etwa von SCS Global Services.
Was unterscheidet Fairmined Gold von Fairmined Ecological Gold?
Fairmined Ecological Gold erfüllt alle Anforderungen an Fairmined Gold und schließt zusätzlich Quecksilber und Zyanid in der Aufbereitung aus, verlangt einen Umweltmanagementplan und die Wiederherstellung des Ökosystems von Beginn an und muss ohne Ausnahme physisch rückverfolgbar sein. Seine Prämie beträgt 6.000 statt 4.000 US-Dollar pro Kilogramm.
Wie viele Minen sind Fairmined-zertifiziert?
2025 waren elf Bergbau-Organisationen gleichzeitig Fairmined-zertifiziert, die meisten davon in Kolumbien und Peru. Zwei Minen im kolumbianischen Cauca kamen in diesem Jahr neu hinzu, neun wurden rezertifiziert.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
In aller Kürze ...
- Die Fairmined Gold Zertifizierung wird Schritt für Schritt erarbeitet und jedes Jahr geprüft. Erst kommen die Einstiegsanforderungen, die weiterführenden folgen bis Jahr 9 – und unabhängige Auditor:innen prüfen beides in der Mine.
- Die Regeln reichen vom Stollen bis ins Dorf. Schutzausrüstung, faire Bezahlung und Kinderschutz gelten bei der Arbeit; ab Jahr 3 übernehmen zertifizierte Organisationen auch Verantwortung für ihre weitere Gemeinschaft.
- Mit der Prämie entscheiden die Bergleute selbst. Seit 2014 mehr als 7,9 Millionen US-Dollar, investiert in Sicherheit, Wohnen, Bildung und Gesundheit – so, wie es das Prämienkomitee jeder Mine beschließt.
- Fairmined Ecological Gold ist die stärkste Option, wo die Geologie es zulässt. Nur Schwerkraftverfahren, kein Quecksilber, kein Zyanid – belohnt mit der höchsten Prämie im Standard.
- Fragt nach der Mine, nicht nur nach dem Siegel. Fairmined Gold ist bis zu zertifizierten Bergbau-Organisationen rückverfolgbar; fragt euren Lieferanten, aus welcher Mine euer Gold stammt, und nach ihrer Fairmined-ID.
Werdet aktiv, seid der Wandel!
Unser Fairmined Gold gibt es als Granalien, Gussmaterial, Blech, Draht und Furnituren, unser Fairmined Eco Gold als Feingold-Granalien.
Ihr wollt mit Gold arbeiten, dessen Regeln ihr jetzt kennt? Schaut euch unser Fairmined Gold und Fairmined Eco Gold an – oder meldet euch und fragt uns nach den Minen dahinter.
Weitere Leseempfehlungen
- Das zertifizierte Metall und was es für euren Schmuck bedeutet: Was ist Fairmined Gold?
- Was ihr euren Kund:innen sicher sagen könnt: Fairmined Produkt-Claims.
- Wohin die Prämie fließt, Mine für Mine: wofür die Fairmined Prämie verwendet wird.
Quellen
- Fairmined, The Fairmined Standard, Infografik, 2016, www.fairmined.org. ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Standard for Gold from Artisanal and Small-scale Mining, including Associated Precious Metals, Version 2.0, 5. April 2014, inkl. Market Annex und Glossar. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut der Zitate: „the progressive organization and formalization of the ASM sector“ (0.1); „only gravimetric methods are used“ (2.3.1). ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairmined, The Fairmined Standard, inkl. der dort veröffentlichten Pilot-Änderungen, abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Procedimientos para la Auditoría y la Certificación en el Estándar Fairmined para las OMAPE, Version 2, 23. Dezember 2022, Abschnitte 1.0, 2.2, 5.0 und 5.1. ↩ ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, ARM Annual Report 2025, 2026, S. 6, 12, 16, 41, 43, 58 und 59 sowie Mitgliederliste. ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairmined, Fairmined Standard Revision, abgerufen im September 2026. ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Brand Identity & Mark Manual, 2020, Abschnitt 4.6 (nicht öffentlich). Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „We are committed to the progressive improvement of our mining practices, according to the Fairmined standard.“ ↩
- Kevin Telmer und Daniel Stapper, Artisanal Gold Council, für UNEP, Reducing Mercury Use in Artisanal and Small-Scale Gold Mining: A Practical Guide, 2012, S. 7, 16, 24, 48, 54, 56 und 60. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „small-scale producers often get 70% or more of international prices, even in remote areas“ (S. 7); „rarely captures more than 30% of the gold“ (S. 16); „Deposit type dictates the type of extraction possible, which in turn dictates if and how mercury is used (and potentially eliminated).“ (S. 60). ↩ ↩ ↩ ↩
- Fairever, eigene Information, September 2026. ↩ ↩ ↩
- UN Environment Programme, Global Mercury Assessment 2018, 2019. ↩
- Alliance for Responsible Mining, ARM Annual Report 2023, 2024, S. 9, 13 und 47. Mittelwert: eigene Berechnung aus den fünf veröffentlichten Werten (0,89 + 3,68 + 5,59 + 6,32 + 17,16) ÷ 5 = 6,73 Tonnen, gerundet 6,7. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „the ASM compares favorably with industrial mining in terms of CO2 equivalent per kg of gold“. ↩ ↩ ↩
- Sam Ulrich, Allan Trench und Steffen Hagemann, Gold mining greenhouse gas emissions, abatement measures, and the impact of a carbon price, Journal of Cleaner Production 340, 2022. Werte je Unze auf Kilogramm umgerechnet (× 32,1507): gewichteter Durchschnitt von 194 Minen 23,3 Tonnen; höchster Einzelwert rund 169 Tonnen; Scope 1 und 2. ↩
- World Gold Council, Gold and climate change: Current and future impacts, 2019: 32.689 Tonnen CO₂-Äquivalent pro Tonne Gold (Daten 2018, Scope 1 und 2). ↩
- Alliance for Responsible Mining, ARM Annual Report 2024, 2025, S. 12, 19 und 30. Eigene Berechnung: ARM zählt die kumulierte Fairmined Prämie ab 2014 – 6.297.449,65 US-Dollar „since 2014“ bis Ende 2021 (Fußnote 17, S. 9) und 6.838.930 US-Dollar bis Ende 2022 (Fußnote 15, S. 5). Zuzüglich 555.452 US-Dollar für 2023 (Fußnote 11, S. 13) ergeben sich 7.394.382 US-Dollar bis Ende 2023, passend zu ARMs „+7.5 Million USD“ bis 2024. Zuzüglich 410.268 US-Dollar im Jahr 2025 (407.928 US-Dollar inkl. Gold-Credits plus 2.340 US-Dollar aus Silber-Credits; Fußnote 5, S. 12) = mehr als 7,9 Millionen US-Dollar seit 2014. ↩ ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Premium Report 2022, 2023, S. 5 und 12–37. Aufteilung: eigene Berechnung aus den 2022 investierten Beträgen der sechs Bergbau-Organisationen (Chede, Iquira, La Gabriela, CECOMIP, Oro Puno, Cruz Pata): 320.477 US-Dollar für Betrieb und verantwortungsvolle Praktiken, 161.319 für Beschäftigte und Familien, 47.471 für die Gemeinschaft, von insgesamt 529.267 – 60,6 %, 30,5 % und 9,0 %, gerundet 61 %, 30 % und 9 %. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut des Zitats: „A mining organization with high standards has positive impacts beyond itself: it creates the possibility of generating production chains that positively impact the economy, the environment, and local communities.“ ↩ ↩ ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Premium Report 2020, 2021, S. 9 und 31. Übersetzt durch Fairever; Originalwortlaut: „was able to maintain payroll thanks to the Fairmined premium, while the rest of the mining organizations of the region were forced to suspend their workers' salaries“. ↩ ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Premium Report 2021, 2022, S. 9, 37 und 39. ↩ ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Premium Report 2023, 2025, S. 34. ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Empresa Minera Oro Puno, Minenprofil, 2020 („aproximadamente 4700 metros sobre el nivel del mar“). ↩
- Alliance for Responsible Mining, Pilot Amendment: Fairmined Credits, beschlossen am 18. November 2022. ↩
- Fairmined, Recognized certification and auditing bodies for artisanal and small-scale mining organizations and for Fairmined authorized suppliers and licensees, undatiert (veröffentlicht 2021), abgerufen im September 2026. ↩ ↩
- Alliance for Responsible Mining, Fairmined Assurance System – Fairmined Authorized Supplier and Licensees, Version 2.0, 30. Dezember 2022, Abschnitt 5.2. ↩
- Fairmined, Fairever: Transforming the precious metals supply chain, 2023. ↩
- Fairmined, Fairever – Artisanal Gold, Lieferantenprofil, abgerufen im September 2026. ↩

